Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Hume-Studien.  I.

205

Farbe  und  die  auf  diese  bezügliche  Gestalt  doch  dem  Gebiete
des  Gesichtssinnes  angehört.  Um  was  handelt  es  sich  demnach, ­
  all  dies  als  richtig  angenommen,  wenn  von  Gestalt  des
Pultes  die  Rede  ist?  Offenbar  um  eine  Mehrheit,  und  damit
hat  der  abstracte  Begriff  aufgehört,  ein  individueller  zu  sein.
Wir  haben  zwar  hier  die  Autorität  J.  St.  Mill’s  für  uns
in  Anspruch  genommen;  dennoch  würde  dieser  unsere  Objection ­
  gegen  seinen  Gegner  Hamilton  schwerlich  unterstützen.
Coincidirt  wirklich  z.  B.  die  gesehene  und  getastete  Gestalt  vollständig, ­
  so  würde  er  wohl  kein  Bedenken  tragen,  beide  nicht
nur  für  gleich,  sondern  für  identisch  zu  nehmen.  l)enn  er
geht  in  dieser  Richtung  noch  viel  weiter.  Indem  er  sich  für
berechtigt  hält,  völlig  gleiche  Attribute  für  identisch  zu
setzen,  creirt  auch  er  eine  ganze  Classe  abstracter  Individual!en,
abstract  in  seinem,  folglich  jedenfalls  auch  in  unserem  Sinne.
,Wenn  nur  ein  Attribut/  meint  er, 1  ,das  weder  Grades-  noch
Artunterschiede  zulässt,  durch  den  Namen  bezeichnet  wird,
wie  Sichtbarkeit,  Greifbarkeit,  Gleichheit,  Viereckigkeit,  Milchweisse,
  —  dann  kann  der  Name  kaum  als  ein  allgemeiner  betrachtet ­
  werden;  denn  obgleich  er  ein  Attribut  vieler  verschiedener ­
  Objecte  bezeichnet,  so  wird  das  Attribut  selbst  doch
immer  als  eines,  nicht  als  eine  Vielheit  gedacht'.  Ohne  Frage
hat  Mill  hier  den  Sprachgebrauch  in  ganz  ausserordentlichem
Umfange  für  sich.  Täglich  sagt  man  und  hört  man  sagen,
diese  und  jene  Dinge  hätten  dieselbe  Grösse,  dieselbe  Farbe
u.  s.  f.,  —  aber  fast  eben  so  oft  kommt  der  Ausdruck  gleiche
Farbe,  gleiche  Grösse  etc.  für  dieselben  Fälle  vor,  so  dass
es  doch  höchst  bedenklich  erscheinen  muss,  sich  blos  auf  die
erste  Redeweise  zu  stützen,  da  die  zweite  doch  hinlänglich
beweist,  wie  wenig  der  gemeine  Gebrauch  die  Worte  Identität ­
  und  Gleichheit  auseinanderzuhalten  weiss.  Es  bleibt  also
nichts  übrig,  als  sich  den  Sinn  beider  Namen  selbst  möglichst
deutlich  zu  machen.  In  der  That,  wollte  man  nichts  identisch
nennen,  was  ,sich  für  unsere  Sinne  nicht  durch  dieselben  Einzelempfindungen ­
  kundgibt/  so  müsste,  wie  Mill  mit  Recht  gegenüber ­
  Herbert  Spencer  geltend  macht, 2  ,auch  das  Menschenthum

1  Logik  Buch  I  Cap.  II  §.  4.
2  a.  a.  0.  Buch  II  Cap.  II  §.  4  Anmerkung.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.