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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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M  e  i  n  o  n  g.

abstract,  desto  weniger  allgemein.  Ist  der  Inhalt  =  1  (einfacher ­
  Begriff),  so  ist  der  Umfang  unendlich  gross.  Ist  der
Inhalt  unendlich  gross  (das  wird  gewöhnlich  als  Eigenthümlichkeit
  concreter  Vorstellungen  angegeben),  so  ist  der  Umfang
=  1,  d.  h.  jede  concreto  Vorstellung  ist  individuell,  jede  individuelle ­
  coneret,  woraus  sich  von  selbst  ergibt,  dass  auch
alle  Abstracta  allgemein,  alle  Universalbegriffe  abstract  sind.
Umfang  und  Inhalt  bestimmen  sich  also  gegenseitig.
Dass  zunächst  in  der  That  alle  concreten  Vorstellungen
zugleich  auch  individuell  sind,  muss  jedem  klar  sein,  der  bedenkt, ­
  dass  jede  concrete  Vorstellung  eines  psychischen  oder
physischen  Objectes  ganz  bestimmte  Daten  der  Zeit,  respective
des  Raumes  und  der  Zeit  enthält  und  in  keinem  der  beiden
Fälle  eine  Mehrheit  von  Vorstellungsgegenständen  angenommen
werden  kann,  wenn  auch  der  Grund,  der  diese  Annahme  verbietet, ­
  dort  und  hier  nicht  völlig  gleichartig  ist.  Im  ersten  Falle
schlösse  die  entgegengesetzte  Behauptung  einen  Widerspruch
in  sich;  denn  wenn  irgend  etwas,  so  wird  durch  das  Wort
Identität  das  Verhältniss  eines  psychischen  Phänomens  zu
einem  psychischen  Phänomen  bezeichnet,  das  mit  jenem  in
allen  Stücken,  die  Zeit  eingerechnet,  übereinstimmt,  blicht  so
im  zweiten  Falle;  der  noch  schwebende  Streit  der  Psychologen,
ob  man  an  ein  und  demselben  Orte  zugleich  verschiedene
Farben  sehen  könne, 1  beweist'  mindestens,  dass  eine  solche  Annahme ­
  nicht  absurd  ist.  Das  Gesetz  der  Undurchdringlichkeit
der  Körper  ist  nicht  analytisch;  und  ist  es  nicht  widersprechend,
dass  verschiedene  Gegenstände  gleichzeitig  einen  Raum  einnehmen ­
  könnten,  so  ist  nicht  abzusehen,  warum  diese  Gegenstände ­
  ihre  verschiedene  Individualität  einbüssen  sollten,  wenn
sie  zufällig  sonst  in  jeder  Hinsicht  übereinstimmten.  Von  praktischer ­
  Bedeutung  ist  diese  Distinction  natürlich  nicht;  denn
hat  das  Gesetz  der  Undurchdringlichkeit  nicht  mathematische,
so  hat  es  doch  jedenfalls  physische  Sicherheit,  —  aber  dies
konnte  uns  nicht  davon  dispensiren,  bereits  in  der  obigen
Definition  des  Individuellen  diesen  Unterschied  namhaft  zu
machen.

1  Vergl.  Helmholtz  Handbuch  der  physiologischen  Optik  (Karsten’«  allgemeine ­
  Encyklopiidie  der  Physik,  Bd.  IX),  Leipzig  1867,  §.  20  S.  273  ff.
            
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