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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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Meinong.

der  einer  ganz  bestimmten  Umgebung  zu  abstrahiren.  Dies
widerspricht  aber  aller  Erfahrung;  und  auch  Berkeley  hätte
gewiss  Anstand  genommen,  explicite  aufrecht  zu  erhalten,  was,
wie  wir  sehen,  implicite  mit  seiner  Behauptung  stehen  und
fallen  muss.
Wir  hätten  uns  bei  diesem  scheinbar  so  minutiösen  Falle
kaum  so  lange  aufgehalten,  wenn  Berkeley’s  Beispiel  nicht
eines  von  denen  wäre,  welche  die  richtige  Lösung  der  Hauptfrage ­
  ganz  besonders  nahe  legen.  Mag  einer  auch  über  seine
Fähigkeit,  von  metaphysischen  oder  logischen  Theilen  abzusehen, ­
  zweifelhaft  sein,  so  wird  ähnliches  Bedenken  bei  physischen ­
  kaum  aufkommen.  Keiner  zweifelt  daran,  dass  er
von  den  verschiedenen  Eindrücken,  die  sich  etwa  dem  Auge
oder  Ohr  auf  einmal  darbieten,  in  sehr  verschiedener  Weise
Notiz  nimmt.  Fragt  man  aber  einen,  der  sich  nie  mit  philosophischen ­
  Speculationen  beschäftigt  hat,  wie  ihm  dies  oder
jenes  entgehen  konnte,  was  er  unzweifelhaft  vor  Augen  gehabt
haben  muss,  so  antwortet  er  etwa  einfach,  er  habe  eben  auf
etwas  ganz  Anderes  Acht  gegeben.  Dabei  ahnt  er  natürlich
nicht,  dass  seine  Antwort  den  Gesichtspunkt  enthalte,  unter
dem  vielleicht  eine  vieldiscutirte  philosophische  Streitfrage
ziemlich  einfach  zu  entscheiden  wäre.
Es  ist  übrigens  leicht  zu  zeigen,  dass  auch  Berkeley
selbst  den  Schlüssel  zur  Beseitigung  aller  Schwierigkeit  in
Händen  hält,  ja  zuweilen  unwillkürlich  benützt,  —  und  es  ist
auffallend  genug,  dass  er  dennoch  von  dessen  eigentlicher  Bedeutung ­
  keine  Ahnung  zu  haben  scheint.  ,Die  Uebereinstimmungen
  und  Verschiedenheiten  zu  unterscheiden',  sagt  er
einmal, 1  ,die  zwischen  unseren  Ideen  bestehen,  zu  sehen,  welche
Ideen  in  einer  zusammengesetzten  Idee  enthalten  sind  und
welche  nicht,  dazu  ist  nicht  mehr  erforderlich,  als  eine  aufmerksame ­
  Wahrnehmung  dessen,  was  in  meinem  eigenen
denkenden  Geiste  vorgeht.'  Diese  Stolle  müsste,  alleinstehend,
sehr  befremden;  es  ist  nicht  abzusehen,  wie  man  Elemente
eines  Ideencomplexes  unterscheiden  kann,  wenn  man  diese
Elemente,  die  doch  Abstracta  sein  müssten,  nicht  vorzustellen
vermag.  Aber  die  Stelle  wird  vollkommen  verständlich,  wenn

1  Treat.  intr.  sect.  22.
            
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