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Meinong.
Werfen wir nunmehr einen kritischen Blick auf die
hier in möglichster Gedrängtheit wiedergegebenen Ausführungen
des Bischofs von Cloyne, so muss in erster Linie bezüglich
seines Verhältnisses zu Locke hervorgehoben werden, dass der
Charakteristik gegenüber, die dieser von der Abstraction
gab, dasselbe Dilemma anzuwenden war, das jeder mit der
Wirklichkeit nicht übereinstimmenden Definition entgegengehalten
werden muss, nämlich: entweder die Definition ist
richtig, dann kann in der That das beschriebene Ding nicht
existiren, •— oder aber, die Definition ist falsch, und dann
kann allerdings das fragliche Ding noch ganz wohl existiren,
natürlich aber theilweise mit anderen Merkmalen als den ihm
in dieser Definition ertheilten. Berkeley hat nun den fundamentalen
Fehler begangen, von diesem Dilemma nur das eine
Glied zu berücksichtigen. Es wird heute Wenige geben, die
sich seiner Polemik gegen Locke’s Darstellung der Abstraction
nicht anschliessen möchten; aber wenn man auch zugeben
muss, dass in den meisten Fällen das ,Abtrennen' metaphysischer
oder logischer Begriffstheile bei Weitem nicht so selbstverständlich
vor sich geht, als Locke anzunehmen scheint,
wenn man ferner den von Locke postulirten Widerspruch
zurückweisen muss, wäre damit implicite schon die Möglichkeit
aller Abstraction aufgehoben? Kann es nicht darum noch
immer abstracte Begriffe geben, wenn sie nur auf anderem
Wege entstanden, und von denen Locke’s noch insofern verschieden
sind, als sie nicht die Conception eines Widerspruches
voraussetzen?
Dass dem scharfsinnigen Denker gerade diese Seite der
Frage entging, muss um so mehr bedauert werden, als einige in
seiner Darstellung als Inconsequenzen erscheinende Zugeständnisse,
gehörig ausgebildet, zu einer viel befriedigenderen Erklärung
der Abstractionsplninomene hätten führen müssen, als
Berkeley auf dem von ihm eingeschlagenen Wege gelingen
konnte.
Die eine dieser Concessionen finden wir am klarsten in
folgender Weise formulirt: ,Ich bestreite nicht, dass' der menschliche
Geist ,in gewissem Sinne abstrahiren kann, insofern nämlich,
als Dinge, die in Wirklichkeit für sich zu existiren vermögen
oder so percipirt werden können, auch abgesondert