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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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M  ei  n  o  n  g.

bei  der  vorliegenden  erkenntnisstheoretischen  Frage  natürlich
nicht  eingehender  die  Rede  sein,  um  so  mehr  aber  von  den
allgemeinen  Namen  und  allgemeinen  Begriffen.
Gibt  es  also  auch  keine  abstracte  allgemeine  Idee,  so
können  allgemeine  Ideen  doch  auf  anderem  Wege  entstehen.
Eine  particuläre  Idee  wird  dadurch  allgemein,  ,dass  sie  dazu
verwendet  wird,  alle  anderen  Einzelvorstellungen  derselben  Art
zu  repräsentiren  oder  statt  derselben  aufzutreten 1 . 1  Die  Ideen
verdanken  daher  ihre  Allgemeinheit  dem,  was  sie  bezeichnen,
man  betrachtet  sie  darum  auch  ,viel  mehr  nach  ihrem  relativen
Werthe,  insofern  sie  für  andere  substituirt  sind,  als  nach  ihrer
eigenen  Natur  oder  um  ihrer  selbst  willen'. 2  Wie  freilich
diese  Substitution,  wie  jene  Repräsentation  zu  denken  sei,  darüber ­
  finden  wir  bei  Berkeley  keinerlei  Aufschluss.
Mit  dieser  Theorie  von  den  allgemeinen  Begriffen  möchte
es  nun  ganz  wohl  verträglich  erscheinen,  bezüglich  der  allgemeinen ­
  Worte  an  Locke’s  Behauptung'  festzuhalten:  ,Worte
werden  dadurch  allgemein,  dass  sie  zu  Zeichen  allgemeiner
Ideen  gemacht  werden/ 3  aber  Berkeley  widerspricht  dieser
Ansicht.  Nach  ihm  wird  ein  Wort  allgemein,  indem  es  als
Zeichen  gebraucht  wird  für  alle  particulären  Ideen,  welche
vermöge  ihrer  Aehnlichkeit  zu  derselben  Art  gehören  und  deren
jede  es  besonders  im  Geiste  anregt;- 1  es  ist,  wie  man  sieht,  so
ziemlich  derselbe  Vorgang  wie  bei  der  Bildung  der  allgemeinen
Ideen.  ,Ebenso,  wie  die  einzelne  Linie  dadurch,  dass  sie  als
Zeichen  dient,  allgemein  wird,  so  ist  der  Name  Linie,  der  an
sich  particulär  ist,  dadurch,  dass  er  als  Zeichen  dient,  allgemein
geworden.  Und  wie  die  Allgemeinheit  jener  Idee  nicht  darauf
beruht,  dass  sie  ein  Zeichen  für  eine  abstracte  oder  allgemeine
Linie  wäre,  sondern  darauf,  dass  sie  ein  Zeichen  für  alle  einzelnen ­
  geraden  Linien  ist,  die  existiren  können,  so  muss  auch
angenommen  werden,  dass  das  Wort  Linie  seine  Allgemeinheit
von  derselben  Ursache  herleite,  nämlich  von  dem  Umstande,  dass
es  verschiedene  einzelne  Linien  unterschiedlos  bezeichnet/ 5

1  ibid.  seet.  12.
2  Min.  phil.  I.  c.
3  Essay  book  III  chapt.  III  sect.  6.
4  Treat.  intr.  sect.  11  und  18,  Min.  phil.  1.  c.
6  Treat.  intr.  sect.  12.
            
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