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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Hume-  Studien.  I.

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sondern  alles  dieses  und  zugleich  nichts  von  diesem.  In  der
That  ist  dies  etwas  Unvollständiges,  das  nicht  existiren  kann,
eine  Idee,  worin  einige  Th  eile  von  verschiedenen  und  mit
einander  unvereinbaren  Ideen  zusammengestellt  sind*.  Was
Locke  bei  diesen  Worten  vorschwebte,  kann  nicht  im  Geringsten
zweifelhaft  sein;  aber  indem  er  Umfang  und  Inhalt  des  Begriffes ­
  Dreieck  nicht  auseinanderhielt,  behaftete  er  den  letzteren ­
  zugestandener  Massen  mit  einem  inneren  Widerspruch,
und  wer  ihm  einmal  so  weit  folgte,  für  den  lag  wohl  nichts
näher,  als  noch  einen  Schritt  weiter  zu  gehen  und  solchen
abstracten  Begriffen  die  Existenz  kurzweg  abzusprechen.
Wirklich  liegt  denn  auch  in  Berkeley’s  Ausführungen  auf
der  Negation  das  Hauptgewicht.  Er  leugnet,  dass  die  innere
Erfahrung  von  einem  psychischen  Vorgänge  des  Abstrahirens
Kenntniss  gebe, 1  er  bestreitet  die  Möglichkeit  eines  Abstractuins
  mit  Rücksicht  auf  den  Satz  des  Widerspruches,  -  —  ein
dritter  Einwand,  die  Frage,  wann  sich  das  Individuum  die
Fähigkeit  zu  der  von  Locke  als  so  schwierig  geschilderten
Operation  eigentlich  erwerbe, 3  ist  den  beiden  ersten  gegenüber
natürlich  nur  von  sehr  untergeordneter  Bedeutung.  So  weit
ist  auch  Alles  klar  und  präcis;  nicht  das  Nämliche  ist  aber
von  der  Art  und  Weise  zu  sagen,  in  der  er  die  so  in  die
Erklärung  der  psychischen  Phänomene  gerissene  Lücke  wieder
auszufüllen  sucht.
Es  handelt  sich  einfach  um  die  Frage:  wie  sind,  wenn
es  keine  Abstracta  gibt,  allgemeine  Erkenntnisse  möglich?
ja  was  ist  überhaupt,  wenn  die  Dinge  sich  so  verhalten,
unter  Allgemeinheit  zu  verstehen?  ,Allgemeinheit  besteht'  nach
Berkeley’s  Meinung  ,nicht  in  dem  absoluten,  positiven  Wesen
oder  Begriff  von  irgend  etwas,  sondern  in  der  Beziehung,  in
welcher  etwas  zu  anderem  Einzelnen  steht,  was  dadurch  bezeichnet ­
  oder  vertreten  wird,  wodurch  es  geschieht,  dass  Dinge,
Namen  oder  Begriffe,  die  ihrer  eigenen  Natur  nach  particulär
sind,  allgemein  werden.' 4  Von  den  ,allgemeinen  Dingen'  kann
1  A  treatise  concerning  tlie  principles  of  human  knowledge,  introduction
sect.  10,  —  Alciphron  or  the  minute  philosopher,  dial.  VII  sect.  6.
2  Treat.  intr.  sect.  13,  noch  ausdrücklicher  Min.  phil.  a.  a.  O.
3  Treat.  intr.  sect  14.
            
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