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M e i n o n g.
die eine der beiden heute einander gegenüberstehenden Abstractionstheorien
in der Darstellung, die sie durch ihre ersten
und hervorragendsten Vertreter gefunden hat, einer eingehenden
Prüfung unterzogen wird, so ist mindestens nicht alle Hoffnung
ausgeschlossen, dass aus einer solchen Untersuchung ausser für
die Geschichte der Philosophie auch für die Aufklärung der
in Rede stehenden Frage selbst mancher Nutzen erwachsen
könnte.
Die Historiker haben sich mit der Behauptung, ein späteres
Ereigniss sei die nothwendige Folge dieses oder jenes
früheren gewesen, niemals sehr zurückhaltend gezeigt; ja sie
pflegen Thesen dieser Art mit einer Sicherheit aufzustellen,
als ob nicht schon dem Bemühen, das wirkliche Vorhandensein
eines solchen Verhältnisses auch nur einigermassen wahrscheinlich
zu machen, in der Regel die grössten Schwierigkeiten
im Wege stünden. In dieser Beziehung muss die Thatsache,
welche zur Ausbildung der modernen noininalistischen Abstractionstheorie
gewissermassen den Anstoss gegeben hat, zu
den Ausnahmen zählen. Wer sich die Charakteristik vergegenwärtigt,
die John Locke im vierten Buche seines ,Essay concerning
human understanding 4 von den abstracten ,Ideen 4 entwirft,
— der wird in der That, heute wenigstens, kaum anders
denken können, als dass eine Reaction, wie sie in Berkeley’s
Schriften bald genug eintrat, geradezu unvermeidlich war.
,Achten wir genau auf sie 4 , sagt Locke, 1 ,so werden wir
finden, dass allgemeine Ideen Gebilde und Erfindungen des
Geistes sind, die nicht ohne Schwierigkeit gebildet werden und
sich nicht so leicht von selbst einstellen, wie wir zu glauben
geneigt sind. Erheischt es z. B. nicht einige Mühe und Geschicklichkeit,
die allgemeine Idee eines Dreiecks zu bilden,
die doch noch keine der abstractesten, umfassendsten und
schwierigsten ist? Es soll die Idee eines Dreiecks gebildet
werden, welches weder schiefwinklig noch rechtwinklig, weder
gleichseitig, noch gleichschenklig, noch ungleichschenklig sei,
1 a. a. O. cli. VII sect. 9.