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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

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M  e  i  n  o  n  g.

die  eine  der  beiden  heute  einander  gegenüberstehenden  Abstractionstheorien
  in  der  Darstellung,  die  sie  durch  ihre  ersten
und  hervorragendsten  Vertreter  gefunden  hat,  einer  eingehenden
Prüfung  unterzogen  wird,  so  ist  mindestens  nicht  alle  Hoffnung
ausgeschlossen,  dass  aus  einer  solchen  Untersuchung  ausser  für
die  Geschichte  der  Philosophie  auch  für  die  Aufklärung  der
in  Rede  stehenden  Frage  selbst  mancher  Nutzen  erwachsen
könnte.

Die  Historiker  haben  sich  mit  der  Behauptung,  ein  späteres ­
  Ereigniss  sei  die  nothwendige  Folge  dieses  oder  jenes
früheren  gewesen,  niemals  sehr  zurückhaltend  gezeigt;  ja  sie
pflegen  Thesen  dieser  Art  mit  einer  Sicherheit  aufzustellen,
als  ob  nicht  schon  dem  Bemühen,  das  wirkliche  Vorhandensein ­
  eines  solchen  Verhältnisses  auch  nur  einigermassen  wahrscheinlich ­
  zu  machen,  in  der  Regel  die  grössten  Schwierigkeiten ­
  im  Wege  stünden.  In  dieser  Beziehung  muss  die  Thatsache,
  welche  zur  Ausbildung  der  modernen  noininalistischen  Abstractionstheorie
  gewissermassen  den  Anstoss  gegeben  hat,  zu
den  Ausnahmen  zählen.  Wer  sich  die  Charakteristik  vergegenwärtigt, ­
  die  John  Locke  im  vierten  Buche  seines  ,Essay  concerning
  human  understanding 4  von  den  abstracten  ,Ideen 4  entwirft, ­
  —  der  wird  in  der  That,  heute  wenigstens,  kaum  anders
denken  können,  als  dass  eine  Reaction,  wie  sie  in  Berkeley’s
Schriften  bald  genug  eintrat,  geradezu  unvermeidlich  war.
,Achten  wir  genau  auf  sie 4 ,  sagt  Locke, 1  ,so  werden  wir
finden,  dass  allgemeine  Ideen  Gebilde  und  Erfindungen  des
Geistes  sind,  die  nicht  ohne  Schwierigkeit  gebildet  werden  und
sich  nicht  so  leicht  von  selbst  einstellen,  wie  wir  zu  glauben
geneigt  sind.  Erheischt  es  z.  B.  nicht  einige  Mühe  und  Geschicklichkeit, ­
  die  allgemeine  Idee  eines  Dreiecks  zu  bilden,
die  doch  noch  keine  der  abstractesten,  umfassendsten  und
schwierigsten  ist?  Es  soll  die  Idee  eines  Dreiecks  gebildet
werden,  welches  weder  schiefwinklig  noch  rechtwinklig,  weder
gleichseitig,  noch  gleichschenklig,  noch  ungleichschenklig  sei,

1  a.  a.  O.  cli.  VII  sect.  9.
            
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