Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

136

Tomaschek.

geräumig'  (Vambery,  Kudatku-bilik  215)  gar  nicht  zu  verwerfen.
In  neuerer  Zeit  ist  jedoch  die  andere  Ansicht  mehrfach  vorgebracht ­
  worden  und  verdient  in  Erwägung  gezogen  zu  werden.
In  dem  Awesta  findet  sich  nämlich  der  Ausdruck  Kafiha  für
eine  sagenhafte  Region,  welche  östlich  vom  See  Vourukasa  lag;
und  das  Königsbuch  weiss  zu  erzählen  von  Kang,  der  Hauptstadt ­
  des  turanischen  Königs  Afräsiäb,  von  Kang-bihist,  der
prachtvollen,  auf  einem  Felsenrücken  jenseits  des  Gul-zarriün
gelegenen  Veste  Afräsiäb’s,  von  dem  paradiesischen  Gau  Kangdiz
  im  Osten  hinter  dem  Meere  von  Gin  mit  seinem  von  Siyäwüs
erbauten  uneinnehmbaren  Felsenschlosse.  Der  Ausdruck  gehört
allerdings  seinem  Wesen  und  Ursprünge  nach  der  mythischen
Nomenclatur  an  und  entbehrt  somit  einer  wirklichen  geographischen ­
  Unterlage.  Indess  ist  die  Annahme  nicht  ausgeschlossen,
dass  die  Iranier  diesen  mythischen  Namen  auch  für  ganz  bestimmte ­
  Oertlichkeiten  des  Nordens  und  Ostens  angewendet
haben.  So  hat  es  H.  C.  Rawlinson  (Journ.  of  tlie  Roy.  Geogr.
Soc.  1872  p.  503)  wahrscheinlich  gemacht,  dass  das  heutige
Tas-qurghän  im  Sar-i-qölgebiet  vor  Alters  mit  Kang  bezeichnet
wurde;  so  führen  arabische  Geographen  jenseits  des  Jaxartes
zwischen  Isping-äb  und  Fär-äb  einen  Gau  Kang-dih  (oder  -diz)
an;  das  Säh-nämah  kennt  ein  weiteres  Kang-diz,  die  Stadt
Baikand  in  Bokhärä;  möglich,  dass  auch  Khwärizm  so  hiess
(Sachau,  Zur  Gesch.  u.  Chron.  v.  Khw.  S.  17)  —■  und  endlich,
dass  auch  das  herrliche  Soghdthal,  welches  die  Orientalen  für
eines  der  vier  irdischen  Paradiese  ansehen,  dieser  alte  Sitz
iranischer  Cultur  und  Glaubensreinheit  im  hohen  turanischen
Norden,  mit  Kang  bezeichnet  wurde.  Und  so  dürfte  Reinaud,
welcher  zuerst  das  mythische  Kang  einer  gründlichen  Betrachtung
unterzogen  und  mit  KJiang,  dem  sinischen  Namen  von  Sogdiana
und  Samarkand,  in  Verbindung  gebracht  hat  (Geographie
d’Aboulfeda  I  p.  CCXX—CCXXIII),  mit  dieser  Gleichstellung
keinen  unglücklichen  Wurf  gemacht  haben.  Dazu  kommt  folgende
Erwägung.  Die  sinischen  Annalen  erwähnen  wiederholt,  dass
nicht  nur  das  Herrscherhaus  in  Khang,  sondern  auch  in  den
übrigen  sogdianischen  Fürstenthümern  den  Namen  Cao-wu  oder
Sao-wu  geführt  habe  und  dass  sich  die  Fürsten  dieser  Abkunft
rühmten.  Zwar  wird  bemerkt,  dass  dies  ursprünglich  der  Name
einer  Ortschaft  in  der  Urheimat  der  Yuei-si,  d.  h.  im  Gebirge
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.