Centralasiatisclie Studien. I.
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wusste; wo noch immer der Fleiss der Täglkbevölkerung dem
Lehmboden durch künstliche Bewässerung Schritt auf Schritt
die schönsten Früchte abringt. Fürwahr, das Ufergelände des
, verehrungswürdigen (namaqya)', des ,gesetzlichen (däitya)‘
Stromes, welcher tausende von Canälen mit Wasser speist und
dadurch den fleissigen Anwohnern grasreiche Wiesen, prachtvolle
Felder, herrliche Gärten hervorzaubert, heisst mit Recht
ein Paradies der Erde, und ist ein schönes Denkmal des iranischen
Fleisses, eine bleibende Stätte menschlicher Thätigkeit!
Allerdings, das Ueberwiegen der indolenten türkischen
Nomadenbevölkerung, so wie die Unsicherheit der politischen
Zustände bis in die Zeit der russischen Invasion, hat auch hier
Vieles umgestaltet, manche herrliche Culturblüthe zum Welken
gebracht, manche Oase in ödes Gebiet verwandelt. Am stärksten
hat die Ungunst der Zeiten die Metropole selbst betroffen; das
alte Marakanda oder Samarqand ist schon lange nicht mehr
das was es einst gewesen unter den Makedonen sowohl wie unter
den HaitaPs, unter den Sämäniden wie unter Tlmür. Die zahlreichen
Ruinen alter grosser Gebäude und die Verödung der
Vororte sind sprechende Zeugen des allmäligen Sinkens der
Stadt, und erwecken in dem Besucher trübe Gedanken. Indem
wir die Schilderung der alten Prachtbauten, der Medressen und
Grabdenkmäler, den Reisenden, welche Samarkand aus eigener
Anschauung kennen gelernt haben (wie Khanikoff, Lehmann,
Vämbery, Radloff u. a.), überlassen, beschränken wir uns auf
die Darlegung der allerdings spärlichen Zeugnisse über die
Metropole aus dem höheren Alterthum. — Ueber Umfang und
Grösse derselben zur Zeit Alexander’s haben wir eine einzige
kurze Notiz bei Curtius (VII 26, 10); als nämlich Bessus beseitigt
worden war und Alexander zum ersten Male Sogdiana
betreten hatte, marschierte er direct,ad urbem Maeacända; LXX
stadia murus urbis amplectitur; arx alio cingitur niuro'. Curtius
bezeugt hiemit das Vorhandensein der Citadelle (arx, rj äv.pa
Arr. IV 3, 6; 5, 2, pers. c arq) und unterscheidet von der Burgmauer
die äussere Stadtmauer; die Länge der letzteren betrug
10 Stadien (3 1 / 2 Stunden) oder etwas über 3 Parasangen.
Iliuan-Thsang gibt nur 20 Li oder 1 Parasange an; wenn er
die äussere Umfassung gemeint hat und wenn die Stadt, wie
doch vorauszusetzen,, unter den Fürsten der Kuei-suang und
Sitzuagsber. d. phil.-hist. CI. LXXXVII. Bi. I. Hft. 9