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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 86. Band, (Jahrgang 1877)

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H  o  r  a  w  i  t  z.

mation  für  die  grösste  Aufgabe  des  deutschen  Volkes  als  Führer
und  treue  Arbeiter  entsendet!  Politische  und  religiöse  Reformatoren, ­
  tüchtige  Buchdrucker,  bedeutende  Gelehrte  und  fleissige
Magister!  In  reicher  Fülle  begegnet  uns  dieses  kernige,  dauerhafte ­
  Geschlecht  und  wenn  es  auch  in  dieser  Zeit  des  geistigen
Kampfes  die  Sturmfahne  den  Söhnen  Nordgermaniens  überlassen
musste  —  im  gelehrten  Kampfe  Erasmus,  im  theologischen
Luther  —  so  fehlt  es  nicht  an  wackeren  Mitstreitern  hier  und
dort!  Nicht  zu  den  Letzten  gehören  Johannes  Reuclilin  und
Philipp  Melanchthon,  an  sie  schliessen  sich  die  ersten  Bahnbrecher ­
  des  Humanismus  in  Schwaben.  Von  mehreren  Städten
zugleich  geht  hier  die  Bewegung  für  die  neue  Wissenschaft
aus,  sie  lässt  sich  auf  einzelne  Persönlichkeiten  zurückführen
und  vollständig  genau  begrenzen.  Als  Repräsentanten  der  humanistischen ­
  Richtung,  als  ihre  Apostel  müssen  vor  Allem  Johannes
Reuchlin,  dann  Heinrich  Bebel  und  sein  Kreis  (Tübingen),
Johannes  Brassicanus  (Tübingen),  Thomas  Anshelm  (Tübingen, ­
  dann  Hagenau),  Johannes  Hildebrand  (Pforzheim,  dann
Tübingen),  Georg  Simler  (Pforzheim,  Tübingen),  Michael
Hummelsberger  (Ravensburg),  Philipp  Melanchthon  (Tübingen), ­
  genannt  werden.  Aber  auch  die  Einflussnahme  und
Wirkungsweite  der  Einzelnen  lässt  sich  so  ziemlich  nachweisen.
Während  Bebel,  Brassicanus,  Hildebrand  und  Simler  sich  damit
begnügen,  Schule  zu  machen  und  für  tüchtige  Magister  in
Schwaben  zu  sorgen,  aber  auch  in  ihren  Beziehungen  sich  mehr
auf  die  engere  Heimath  oder  das  angrenzende  stammverwandte ­
  Eisass  beschränken,  greift  M.  Hummelberger  nach  verschiedenen ­
  Richtungen  aus.  Einerseits  mit  den  Pariser  Gelehrten
(Jac.  Favre  von  Estaples,  Hier.  Aleander)  und  Druckern  (Jod.
Badius  Ascensius)  in  Briefwechsel  und  Verbindung,  correspondirt
  er  andererseits  mit  Konrad  Peutinger  und  Willibald
Pirkheimer,  steht  aber  auch  durch  seinen  Pariser  Studiengenossen ­
  Beatus  Rhenanus  mit  den  erasmischen,  d.  i.  mit
dem  Basler  Kreise  in  Verbindung.
Philipp  Melanchthon  hinwiederum  verbindet  nach  seiner
Berufung  1  nach  Wittenberg  (1518)  die  heimischen  Gelehrten-1

  Schön  geschildert  von  L.  F.  He  yd  Melanchthon  und  Tübingen.  Tübingen ­
  1839,  8fi  ff.
            
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