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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 86. Band, (Jahrgang 1877)

Emenclationen  zur  Naturalis  Historia  des  Plinius.

189

5,  20.
In  der  topographischen  Beschreibung  von  Mauretania
Caesariensis  heisst  es  nach  der  übereinstimmenden  Ueberlieferung
  der  Handschriften  in  allen  Ausgaben:
Quiza  Cenitana  peregrinorum  oppidum,  Arsennaria  Latinorum,
  III  milibus  passuum  a  mari.  Cartenna  colonia  Augusti.
legio  secunda.  item  colonia  eiusdem  deducta  cohorte  praetoria
Gunugu,  promunturium  Apollinis  oppidnmque  ibi  celeberrimum
Caesarea  etc.
Offenbar  soll  gesagt  werden,  dass  durch  die  Ansiedlung
von  Veteranen  der  zweiten  Legion  Cartenna  zur  Colonie  geworden ­
  sei.  Dann  aber  konnten  die  Worte  Cartenna  colonia
Augusti.  legio  secunda  unmöglich  so  völlig  frei  neben  einander
gestellt  werden,  sondern  mussten  sich  zu  einem  Satze  verbinden. ­
  Es  ist  zwar  die  Darstellung  des  Plinius  vielfach  skizzenhaft ­
  und  abgerissen,  aber  immer  nur,  wo  das  Einzelne  an  sich
Sinn  und  Bedeutung  hat,  in  der  Aufzählung,  sei’s  an  der
Spitze,  die  oft  die  Form  von  Ueberschriften  annimmt,  oder  in
der  Ausführung,  die  regelmässig  wie  ein  blosses  Verzeichniss
aussieht.  Aber  es  geschieht  nicht  und  kann  nicht  geschehen,
als  sie  auch  in  der  Praefatio  p.  IX  zur  Charakteristik  der  Compilation
des  Soiinus  ausgebeutet  ist.  Mornmsen  merkt  nämlich  p.  1Ü0  zu  Z.  1  u.
2:  (Hyperborei)  incolunt  pone  Pterophoron,  quem  ultra  aquilonem  accepimus
  iacere.  gens  beatissima.  Folgendes  an:  ,gens  beatissima,  quod  in
orationis  tenorem  non  recte  receptum  est,  remansit  ex  iis  quae  pvoxime
praececlunt  apud  Plinium  4,  90:  hoc  genus  sepulturae  beatissimum £  hat
aber  dabei  übersehen,  dass  Solinus  hier  wie  so  oft  in  der  Anordnung
des  Stoffes  von  seiner  Quelle  abweicht.  Während  Plinius  zweimal  auf
die  Wohnsitze  der  Hyperboreer  zu  sprechen  kommt,  zuerst  §.  89  und
dann  in  dem  Berichte  über  ihre  Lebensweise  wiederum  §.  90,  fasst
Solinus  Beides  zusammen,  und  seine  Worte:  incolunt—  gens  beatissima
schliessen  sich  nicht  an  §.  90  bei  Plinius,  sondern  an  §.  89,  an  die
Worte:  pone  eos  montes  ultraque  Aquilonem  gens  felix  (si  credimus),  quos
Hyperboreos  appellavere 7  annoso  degit  aevo.  Es  ist  also  gens  beatissima
bei  Solinus  für  gens  felix  bei  Plinius  eingetreten.  Auch  passt  gens  beatissima ­
  bei  Solinus  ganz  gut  in  den  Gang  der  Rede,  da  es  einfach  Apposition ­
  zu  dem  in  incolunt  liegenden  Subject  ist  und  nur  durch  Comma
vom  Vorausgehenden  zu  trennen  ist.  Von  einer  Nachlässigkeit  des  Solinus,
wie  sie  ihm  von  Mornmsen  imputirt  wird,  kann  also  durchaus  keine
Rede  sein.
            
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