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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Spraclilogik  des  Johannes  Duns  Scotus.

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In  jeder  Construction  erscheint  ein  Constructibile  primum  und
ein  Constructibile  secundum.  Constructibile  primum  heisst
gemeinhin  dasjenige,  zu  welchem  sich  ein  nachfolgendes  Constructibile ­
  als  Terminus  desselben  verhält;  Constructibile  secundum ­
  heisst  jenes,  welches  nach  rückwärts  von  einem  Suppositum
abhängig  ist,  wie  auch  jenes,  welches  von  einem  Determinabile
abhängig  ist.  Denn  stets  wird  das  erste  Constructibile  durch
das  zweite  determinirt,  und  beide  verhalten  sich  zu  einander
wie  Materie  und  Form,  Potenz  und  Actus.  In  dem  intransitiven ­
  Satze:  Socrätes  eurrit,  ist  das  Constructibile  primum
,Socrätes 1  Stoff  und  Potenz,  das  zweite  ,eurrit'  Act  und  Form.
Eben  so  verhält  es  sich  in  dem  intransitiven  Satze:  Socrätes
legit  bene,  mit  den  beiden  Constructibilien  ,Socrätes  legit 1  und
,bene‘.  Nicht  minder  ist  in  dem  transitiven  Satze:  Percutio
Socratem  das  Constructibile  ,Socrätes 1  als  Terminus  der  Actio
transitiva  Act  und  Form  des  ersten  Constructibile  ,Percutio 1 .
Man  hat  zwischen  transitiver  und  intransitiver  Construction
zu  unterscheiden.  Die  alten  Grammatiker  —  bemerkt  Duns
Scotus  —  kennzeichneten  diesen  Unterschied  in  ihrer  Weise,
wenn  sie  sagten,  dass  die  Constructibilia  in  der  Constructio  intransitiva
  auf  Eines  und  Dasselbe,  in  der  Constructio  transitiva
aber  auf  Diverses  sich  beziehen  oder  zu  beziehen  scheinen.
Diese  Angabe  ist  richtig;  nur  muss  sie  richtig  verstanden
werden.  In  der  Constructio  intransitiva  (z.  B.  Socrätes  eurrit)
sucht  sich  in  der  That  das  zweite  Constructibile  zufolge  seiner
Abhängigkeit  vom  ersten  Constructibile  mit  demselben  zu  identificiren,
  geht  gewissermassen  in  demselben  auf,  während  in
der  Constructio  transitiva  (z.  B.  percutio  Socratem)  das  Constructibile ­
  secundum  vom  ersten  sich  gewisser  Massen  abscheidet
oder  demselben  gegenüber  sich  diversiiieirt.  Der  Unterschied
beider  Constructionsarten  ist  also  davon  abhängig,  welches  der
beiden  Constructibilien  von  dem  anderen  sachlich  ab  hängt,  ob
das  zweite  vom  ersten,  oder  umgekehrt  das  erste  vom  zweiten.
Im  ersteren  Falle  ist  eine  Constructio  intransitiva,  1  in  letzterem
Falle  eine  Constructio  transitiva 2  vorhanden.  Die  diesen  beiden
1  Constructio  intransitiva  est,  in  qua  secundum  constructibile  per  suos
raodos  significandi  dependet  ad  primum.  Gramm,  spec.,  c.  47.
2  Constructio  transitiva  est,  in  qua  primum  constructibile  per  suos  modos
significandi  dependet  ad  secundum,  secundo  per  ejus  dependentiani  a
Sitzuugsber.  d.  phil.-hist.  CI.  LXXXV.  Bd.  III.  Hffc.  -33
            
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