Duns Scotus gemachten Unterschied zwischen Ens und Esse
nicht kennt, nimmt er das Esse einfach als Significationsmodus
des Nomen, und fasst jenen des Verbum einfach als einen der
Kategorie des Thuns und Leidens angehörigen Significationsmodus,
während Duns Scotus sich im Verbum substantivum
einen über dieser Kategorie stehenden Significationsmodus vorbehält,
und erst mittelst des Verbum adjectivum in die durch
dieselbe involvirten Speziiicationen des generellen Modus esse
herabsteigt. Eine Rechtfertigung für dieses Verfahren vom
sprachlogischen Standpunkte aus mochte Duns Scotus darin
finden, dass es erst auf diesem Wege zu gelingen schien, den
sprachlogischen Unterschied zwischen Verbum und Participium
zu erhärten, welchen Abälard und andere ausschliesslich auf
Aristoteles Fussende nicht zu gewinnen vermochten. 1 Das
Jnhärenzverhältniss des Verbum zum Nomen kann und will
zwar auch Duns Scotus nicht in Abrede stellen; aber dieses
Verhältnis ist für das Verbum ein rein accidentelles, während
es für das Participium ein wesentliches Verhältnis ist.
Duns Scotus setzt das Inhärenzverhältniss des Verbum
zum Nomen unter den accidentellen Significationsmodis als
Modus accidentalis communissimus oben an, und belegt diesen
Modus nach dem Sprachgebrauche der zeitgenössischen Grammatiker
mit der Benennung Compositio. 2 Er gibt an, wie
diese den alten Grammatikern unbekannte Benennung entstanden
sei. Aristoteles bemerkt, 3 dass das Verbum Est auf
eine Zusammensetzung zweier Termini: des Subjectes und des
Prädicates, hindeute, und dass man jene Zusammensetzung
1 Audi die Betonung’ des Zeitcharakters des Verbum hängt mit dieser
Hervorhebung der Besonderheit des Participium zusammen. Abälard kann
dem Zeitcharakter des Verbum selbstverständlich nur eine secundäre Bedeutung
beilegen: Non tarn in signific.atione temporis nomen a verbo
recedere videtur, quam in modo significandi. Verbum enim, quod solam
inhaerentiam facit, in eo tempus quoque designat, quod inhaerentiam rei
suae ad subjectam personam in tempore denotat .... Verbum etiam
substantivi verbi copulationem adjunetam propriae significationi continet:
tantumdem enim ,currit‘ verbum proponit, quantum ,est currens“ dicere.
Dialect., p. 218.
2 Spec. gramm., c. 27.
3 De interpret. p. 16, b. lin. 24: to sivai .... aufo |Av yap ouoev £<m,
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