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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

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Werner.

Die  Grundtheilung  der  Pronomina  ist  bei  Duns  Seotus,
wie  schon  erwähnt,  jene  in  Pronomina  demonstrativ»  und  relativa.
  Er  identificirt  diese  Theilung  mit  jener  des  Donatus  in
Pronomina  finita  und  infinita,  lässt  sich  aber  hiebei  völlig  den
von  Donatus  in  den  Vordergrund  gestellten  Unterschied  zwischen
persönlichen  und  unpersönlichen  Fürwörtern  entgehen,  1  und
substituirt  diesem  den  Gegensatz  zwischen  anwesenden  und
abwesenden  Objecten,  indem  er  dafür  hält,  dass  derselbe  durch
die  Eintheilung  des  Donatus  eigentlich  gemeint  sei,  womit  indess
  der  Wortlaut  des  Textes  des  Donatus  nicht  vereinbar  ist.
Mit  dem  Unterschiede  zwischen  Anwesenden  und  Abwesenden
vergesellschaftet  er  den  Gegensatz  zwischen  Gewissem  und
Ungewissem,  und  bezeichnet  somit  die  demonstrativen  Pronomina ­
  als  jene,  welche  eine  Sache  unter  dem  Gesichtspunkte
einer  unmittelbaren,  durch  die  Gegenwart  des  bezeiehneten
Objectes  verbürgten  Gewissheit  bezeichnen,  2  während  das  Pronomen ­
  relativum  auf  einen  abwesenden,  in  der  Erinnerung
wiederkehrenden  Gegenstand  hinweist. 3  Diess  Letztere  soll
selbst  schon  durch  die  rationell  erfasste  Etymologie  des  Wortes
Relativum  ausgedrückt  sein. 1  Eine  untergeordnete  rein  grammatische ­
  Bedeutung  hat  für  Duns  Seotus  die  Eintheilung  der
Pronomina  in  substantive  und  adjective  Pronomina,  wobei  nur
abermals  seine  Erklärung  über  den  Grund  der  den  persönlichen
Fürwörtern  beigelegten  substantiven  Geltung  charakteristisch  ist. 5
1  Donat.  Ars  gramm.:  Qualitas  pronominum  bipertita  est;  aut  enim  finita
sunt  pronomina  aut  infinita.  Finita  sunt,  quae  recipiunt  personas,  ut  ego,
tu,  ille;  infinita  sunt,  quae  non  recipiunt  personas,  ut  quis,  quae,  quod.
Sunt  etiam  pronomina  minus  quam  finita,  ut  iste,  ipse.  —  Die  von  Duns
Seotus  gewählte  Bezeichnung:  Pronomina  deinonstrativa,  relativa,  ist,  wie
schon  oben  (vor.  Seite,  Anm.  2)  erwähnt  wurde,  aus  Priseian  entlehnt.
Primae  quidem  et  seeundae  personae  pronomina  —  bemerkt  Priseian  —
semper  sunt  deinonstrativa  —  utraque  enim  praesens  ostenditur  persona
—  tertiae  vero  alia  modo  demonstrativa,  modo  relativa.  Inst,  gramm.
XII,  3.
2  Pronomen  demonstrativum  significat  rem  sub  ratioue  vel  proprietate  praesentiae
  seu  notitiae  primae.  Gramm,  spec.,  c.  22.
3  Pronomen  relativum  significat  rem  sub  proprietate  absentiae  et  incertitudinis
  seu  notitiae  seeundae.  I  b  i  d.
4  Relatio,  quasi  rei  ante  latae  recordatio.  Ibid.
5  Sciendum,  quod  a  grammaticis  ponuntur  tria  pronomina  substantiva,  seil,
ego,  tu,  sui,  quia  hujusmodi  usi  sunt  poetae  virtute  demonstrationis  et
            
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