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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

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Werner.

Priscians  erscheinen  sie  bereits  vollkommen  ausgebildet.  Sig-er
von  Brabant 1  und  Michael  de  Marbasio, 2  beide  dem  dreizehnten ­
  Jahrhundert  angehörig,  verfassten  besondere  Schriften
de  modis  signiticandi  von  gleichem  Inhalte  und  gleicher  Tendenz ­
  mit  der  gedruckt  vorliegenden  Grammatica  speculativa  des
Duns  Scotus. 3  Wir  werden  es  der  überragenden  Bedeutung  der
letzteren  zuzuschreiben  haben,  dass  einzig  sie,  und  zwar  zum
ersten  Male  schon  am  Ende  des  fünfzehnten  Jahrhunderts
(Venedig  1499)  gedruckt,  und  so  dem  Dunkel  der  Handschriftenliteratur ­
  entrissen  wurde.  Thurot’s  reichliche  Auszüge
aus  dieser  machen  uns  indess  auch  einen  Vergleich  der  Grammatica ­
  speculativa  mit  der  zeitgenössischen  Literatur  verwandten
Inhaltes  möglich,  und  erweisen  sich  dienlich  für  die  Constatirung
  der  Thatsache,  dass  in  der  Grammatica  speculativa
die  Hauptleistung  des  scholastischen  Mittelalters  auf  dem  Gebiete ­
  der  Sprachlogik,  d.  i.  des  Versuches  einer  Ineinsbildung ­
  von  Grammatik  und  Logik  vorliegt.  Auf  ein  Urtheil
über  den  sachlichen  Werth  dieses  Unternehmens  haben  wir
uns  hier  nicht  näher  einzulassen;  es  sei  nur  vorläufig  bemerkt,
dass  eine  vom  Standpunkte  des  mittelalterlichen  Denkens  abgefasste ­
  Sprachlogik  nicht  auf  den  Namen  einer  Sprachphilosophie ­
  im  heutigen  Sinne  des  Wortes  Anspruch  machen  könne.
Denn  eine  Grundbedingung  dieser  ist,  dass  sie  behufs  einer
genetischen  Entwickelung  des  ausgebildeten  Körpers  der  Sprache
vom  menschlichen  Selbstgedanken  ausgehe,  und  demzufolge  in
der  genetischen  Entwickelung  der  Sprache  eine  in  den  lautlichen ­
  Bezeichnungen  der  Dinge  sich  durchringende  Form  der
menschlichen  Selbstverlautbarung  aufweise.
Duns  Scotus  erkennt  in  der  Sprache  ein  Gebilde  des
menschlichen  Verstandes,  sofern  dieser  es  ist,  welcher  zuerst
in  die  Lautbezeichnungen  der  Dinge  einen  bestimmten  Sinn
hineinlegte,  und  dann  die  mannigfachen  Bildungen  und  Zusammensetzungen ­
  der  Lautbezeichnungen  den  Forderungen  des
rationalen  Denkens  gemäss  gestaltete.  Die  Aufgabe,  welche
1  Vgl.  Thurot,  p.  40.
2  Vgl.  Ibid.  p.  41.
2  Ueber  einen  anonymen  Tractat  de  modis  signifieandi  aus  derselben  Zeit,
sowie  über  das  gleiehbetitelte,  dem  vierzehnten  Jahrhundert  angehörige
Poem  des  Johannes  Josse  de  Marvilla,  vgl.  Thurot,  p.  46  ff.,  p.  518.
            
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