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Werner.
Priscians erscheinen sie bereits vollkommen ausgebildet. Sig-er
von Brabant 1 und Michael de Marbasio, 2 beide dem dreizehnten
Jahrhundert angehörig, verfassten besondere Schriften
de modis signiticandi von gleichem Inhalte und gleicher Tendenz
mit der gedruckt vorliegenden Grammatica speculativa des
Duns Scotus. 3 Wir werden es der überragenden Bedeutung der
letzteren zuzuschreiben haben, dass einzig sie, und zwar zum
ersten Male schon am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts
(Venedig 1499) gedruckt, und so dem Dunkel der Handschriftenliteratur
entrissen wurde. Thurot’s reichliche Auszüge
aus dieser machen uns indess auch einen Vergleich der Grammatica
speculativa mit der zeitgenössischen Literatur verwandten
Inhaltes möglich, und erweisen sich dienlich für die Constatirung
der Thatsache, dass in der Grammatica speculativa
die Hauptleistung des scholastischen Mittelalters auf dem Gebiete
der Sprachlogik, d. i. des Versuches einer Ineinsbildung
von Grammatik und Logik vorliegt. Auf ein Urtheil
über den sachlichen Werth dieses Unternehmens haben wir
uns hier nicht näher einzulassen; es sei nur vorläufig bemerkt,
dass eine vom Standpunkte des mittelalterlichen Denkens abgefasste
Sprachlogik nicht auf den Namen einer Sprachphilosophie
im heutigen Sinne des Wortes Anspruch machen könne.
Denn eine Grundbedingung dieser ist, dass sie behufs einer
genetischen Entwickelung des ausgebildeten Körpers der Sprache
vom menschlichen Selbstgedanken ausgehe, und demzufolge in
der genetischen Entwickelung der Sprache eine in den lautlichen
Bezeichnungen der Dinge sich durchringende Form der
menschlichen Selbstverlautbarung aufweise.
Duns Scotus erkennt in der Sprache ein Gebilde des
menschlichen Verstandes, sofern dieser es ist, welcher zuerst
in die Lautbezeichnungen der Dinge einen bestimmten Sinn
hineinlegte, und dann die mannigfachen Bildungen und Zusammensetzungen
der Lautbezeichnungen den Forderungen des
rationalen Denkens gemäss gestaltete. Die Aufgabe, welche
1 Vgl. Thurot, p. 40.
2 Vgl. Ibid. p. 41.
2 Ueber einen anonymen Tractat de modis signifieandi aus derselben Zeit,
sowie über das gleiehbetitelte, dem vierzehnten Jahrhundert angehörige
Poem des Johannes Josse de Marvilla, vgl. Thurot, p. 46 ff., p. 518.