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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

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Die  Datirung  der  Urkunden  Lothar  I.  495
zeigt  sich  wieder  ein  Fortschreiten,  um  aber  im  nächsten  Jahre
wieder  XX  überspringend  an  XVIIII  sogleich  XXI  anzuschliessen.

Ein  solch’  unzuverlässlicher  Factor  kann  nicht  als  Norm
angesehen  werden,  für  die  Willkür  lässt  sich  kein  regelrechtes
Schema  aufstellen.  Es  scheint  mir  daher  auch  sehr  misslich
an  ihn  Schlussfolgerungen  für  neue  Epochen  zu  knüpfen;  diese
würden  dadurch  in  einer  Weise  vermehrt  und  jede  derselben
doch  nur  durch  einzelne  und  dabei  ganz  vereinzelte  Belege
gestützt,  dass  ihnen  von  vornherein  eine  grössere  Unwahrscheinlichkeit ­
  aufgeprägt  wäre  als  der  Annahme,  in  der  Kanzlei
habe  eine  sorglose  Ungenauigkeit,  ein  Schlendrian  eingerissen,
der  einmal  eingenistet  auch  heimisch  blieb,  bis  er  840  endlich ­
  definitiv  ausgewiesen  wurde.
Diese  Annahme  ist  immerhin  nicht  ohne  Bedenken.  Es
ist  auffallend,  dass  die  kaiserliche  Kanzlei  sich  gerade  hei  den
Regierungsjahren  derartige  Missgriffe  zu  Schulden  kommen  Hess,
welche  die  Privaturkunden  vermeiden,  mehr  noch,  dass  sie  die
Indiction  genau,  den  andren  Factor  aber  mit  solcher  Sorglosigkeit ­
  behandelt  haben  sollte.  Doch  dieser  Fall  steht  keineswegs ­
  vereinzelt  da;  auch  andre  Kanzleien  zeigen  dieselbe  Erscheinung, ­
  dass  eine  der  Jahresangaben  für  eine  Zeit  ganz
unzuverlässlich  wird,  dass  man  sie  gewissermassen  nur  nebensächlich ­
  behandelt,  während  ein  andrer  Factor  einen  chronologischen ­
  Halt  bietet;  diese  Abnormität  beschränkt  sich  nicht  nur
auf  die  kaiserliche  Kanzlei,  sie  findet  auch  in  der  päpstlichen
Eingang,  und  zu  einer  Zeit,  welche  der  Urkundenkritik  noch
besondere  Aufmerksamkeit  widmet.  1  Der  Diplomatiker  muss
sich  ontschliessen,  von  der  jetzigen  Geläufigkeit  des  Einmaleins
und  der  jetzigen  Zifferpräeision  für  jene  Zeit  mehr  oder  minder
zu  abstrahiren.  Zudem  besass  Italien  in  seinem  Notariatsinstitut ­
  eine  Körperschaft,  in  der  sich  die  geschäftsmässige
Genauigkeit  vererbte.
Es  mag  gestattet  sein  noch  auf  einen  scheinbar  fernliegenden ­
  Gesichtspunkt  hinzuweisen.  Muratori 2  beanstandet
1  Vgl.  Delisle  Mem.  sur  les  actes  d’Innoeent  III,  Bibi,  de  l’eeole  des
piartes.  4.  Serie  4,  54.
2  Ant.  1,  917.

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