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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Datirung  der  Urkunden  Lothar  I.

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gesehen  von  cler  Jahreszahl,  an  sich  ausgeschlossen;  die  Epochen
von  820  und  822  setzen  nie  zwischen  April  und  Juni  um,  es
fände  sich  auch  dafür  kein  Erklärungsgrund.  Es  erübrigt
demnach  nur  die  Annahme,  dass  man  ohne  Rücksicht  auf  bestimmte ­
  Epochetage  die  mini  in  Francia  und  in  Italia  gleichzeitig ­
  ufnsetzte,  wie  dies  auch  nach  840  geschieht.  Zu  Gunsten
der  Genauigkeit  der  Datirung  spricht  dieses  Vorgehen  nicht.
Ist  das  Original  Loth.  16  von  833  April  17  noch  mit
annus  in  Italia  XI  datirt,  so  tragen  die  Urkunden  der  zweiten
Periode  aus  den  letzten  Monaten  desselben  und  den  ersten
Monaten  des  nächsten  Jahres,  aber  noch  vor  der  durch  Loth.  16
gegebenen  Grenze  des  17.  Aprils  die  Bezeichnung  annus  in
Italia  XIII.  Das  zwölfte  Jahr  ist  also  gänzlich  übersprungen.
Es  liegen  daher  nur  drei  Möglichkeiten  vor,  dass  man  entweder
einen  eingeschlichenen  Fehler  verbesserte  oder  dass  man  zu
einer  neuen  Epoche  griff  oder  endlich  Ungenauigkeit  der
Datirung  überhaupt,  mag  diese  auf  Willkür  oder  irriger  Richtigstellung ­
  eines  vermeintlichen  Fehlers  beruhen.
Die  letzten  Urkunden  aus  Italien  sind  genau  datirt,  ein
Fehler  war  hier  nicht  zu  verbessern.  Da  zudem  noch  Liuthad,
welcher  die  meisten  Diplome  dieser  Periode  selbständig  unterfertigt, ­
  auch  die  letzte  derselben  recognoscirt,  so  entfällt  damit
die  Annahme,  die  Kanzlei  habe  einen  vermeintlichen  Fehler
berichtigen  wollen.  Annus  XIII  ergäbe  eine  Epoche,  deren
Beginn  nach  dem  7.  April,  jedenfalls  vor  dem  25.  Juni  821
liegt.  Von  irgend  einem  Ereignisse,  an  das  diese  neue  Epoche
anknüpfen  könnte,  ist  nichts  bekannt;  auch  die  höfischen  Geschichtsschreiber ­
  wissen  während  eines  mehrjährigen  Zeitraums
von  Lothar  nur  das  eine  zu  berichten,  dass  er  im  October  821
zu  Diedenhofen  seine  Verüiählung  feierte  und  die  Flitterwochen
in  Worms  zuzubringen  hatte.  1  Die  Vermählung,  mochte  sie
auch  eine  gewisse  Selbständigkeit  und  die  Einführung  ins
politische  Leben  eröffnet  haben,  steht  mit  der  Herrschaft  über
Italien  in  keinerlei  Beziehung;  selbst  wenn  Lothars  Kanzlei
Romantik  genug  besessen  hätte  diese  als  Epoche  anzusehen,
würde  die  Zählung  nicht  klappen,  sie  wäre  um  einige  Monate
zu  hoch  gegriffen.  Eine  neue  Epoche  ohne  zwingenden  Grund

1  Einli.  Ann.  821,  V.  Hlud.  c.  34,  Eiuh.  Ann.  Fuld.  821,  Tliegau  c.  28.
            
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