Beiträge zur Diplomatik VI.
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Die Frage kann somit nur sein, ob nickt eben die königlichen
Notare, wie einige andere Männer, sich in dieser Beziehung
über den grossen Haufen erhoben haben sollen. Ihre
Leistungen sprechen, wie wir noch sehen werden, nicht dafür.
Aber sollte ihnen nicht wenigstens um ihres Berufes willen
Anleitung und Unterricht ertheilt worden sein?
Es wird genügen, wenn ich hier nur in Hinblick auf das
Zeitalter Otto I. diese Frage beantworte. Denn einerseits will
ich jetzt von der Datirung in den Diplomen dieses einen
Fürsten handeln, und andererseits habe ich mir grade das nachzuweisen
zur Aufgabe gestellt, dass es vorzüglich unter Otto I.
mit dem Urkundenwesen schlecht bestellt war. Indem man
bisher anders geurtheilt hat, hat man mit Vorliebe auf Bruno
hingewiesen und dem eine Reform der Reichskanzlei, der
Kapelle und der Hofschule zugeschrieben. 1 Aber andere, wie
Waitz und Dümmler, 2 haben die Existenz solcher Hofschule
unter Otto bereits in Abrede gestellt; ich meine mit Recht.
Aus den Berichten der Zeitgenossen geht allerdings das hervor,
dass Brun sein Leben lang strebsam, den ernsten Studien ergeben
war und es so weit gebracht hatte, dass er Zierde des
Reichs und des Hofes war und die Gelehrtesten seiner Zeit um
sich schaarte. Damit hat er gewiss auch angeregt und angeeifert.
Ja indem er sich der Reform der Klöster ernstlich annahm,
hat er auch dazu beigetragen, dass diese mit der Zeit
wieder Bildungsstätten wurden und sich als Schulen hervortliaten.
Die Wirkung davon trat aber frühestens zu Ende des
ersten Otto ein und in höherem Grad erst unter den folgenden
Herrschern und kam dann auch der Kanzlei zu statten. Somit
ist nur die Behauptung zurückzuweisen, dass Brun selbst Lehrthätigkeit
ausgeübt und eine Art Hofschule wiederhergestellt
habe. Es bedurfte dessen auch nicht, um den Hof zu einer
Pflanzschule für ein neues Geschlecht zu machen, welches zunächst
in praktischer Hinsicht Tüchtiges auf den Gebieten des
Staats und der Kirche leistete. Um nun speciell auf das Personal
der Kanzlei zu kommen, so kann man nicht streng genug
1 Stumpf Wirzb. Imin. 2, 12 mit Berufung auf Wattenbach Geschichtsquellen
(3. Aufl.) 1, 238.
2 Waitz Verf. Geschichte G, 271. — Dümmler 545.