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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

Beiträge  zur  Diplomatik  VI.

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Die  Frage  kann  somit  nur  sein,  ob  nickt  eben  die  königlichen ­
  Notare,  wie  einige  andere  Männer,  sich  in  dieser  Beziehung ­
  über  den  grossen  Haufen  erhoben  haben  sollen.  Ihre
Leistungen  sprechen,  wie  wir  noch  sehen  werden,  nicht  dafür.
Aber  sollte  ihnen  nicht  wenigstens  um  ihres  Berufes  willen
Anleitung  und  Unterricht  ertheilt  worden  sein?
Es  wird  genügen,  wenn  ich  hier  nur  in  Hinblick  auf  das
Zeitalter  Otto  I.  diese  Frage  beantworte.  Denn  einerseits  will
ich  jetzt  von  der  Datirung  in  den  Diplomen  dieses  einen
Fürsten  handeln,  und  andererseits  habe  ich  mir  grade  das  nachzuweisen ­
  zur  Aufgabe  gestellt,  dass  es  vorzüglich  unter  Otto  I.
mit  dem  Urkundenwesen  schlecht  bestellt  war.  Indem  man
bisher  anders  geurtheilt  hat,  hat  man  mit  Vorliebe  auf  Bruno
hingewiesen  und  dem  eine  Reform  der  Reichskanzlei,  der
Kapelle  und  der  Hofschule  zugeschrieben. 1  Aber  andere,  wie
Waitz  und  Dümmler, 2  haben  die  Existenz  solcher  Hofschule
unter  Otto  bereits  in  Abrede  gestellt;  ich  meine  mit  Recht.
Aus  den  Berichten  der  Zeitgenossen  geht  allerdings  das  hervor,
dass  Brun  sein  Leben  lang  strebsam,  den  ernsten  Studien  ergeben ­
  war  und  es  so  weit  gebracht  hatte,  dass  er  Zierde  des
Reichs  und  des  Hofes  war  und  die  Gelehrtesten  seiner  Zeit  um
sich  schaarte.  Damit  hat  er  gewiss  auch  angeregt  und  angeeifert. ­
  Ja  indem  er  sich  der  Reform  der  Klöster  ernstlich  annahm, ­
  hat  er  auch  dazu  beigetragen,  dass  diese  mit  der  Zeit
wieder  Bildungsstätten  wurden  und  sich  als  Schulen  hervortliaten.
  Die  Wirkung  davon  trat  aber  frühestens  zu  Ende  des
ersten  Otto  ein  und  in  höherem  Grad  erst  unter  den  folgenden
Herrschern  und  kam  dann  auch  der  Kanzlei  zu  statten.  Somit
ist  nur  die  Behauptung  zurückzuweisen,  dass  Brun  selbst  Lehrthätigkeit
  ausgeübt  und  eine  Art  Hofschule  wiederhergestellt
habe.  Es  bedurfte  dessen  auch  nicht,  um  den  Hof  zu  einer
Pflanzschule  für  ein  neues  Geschlecht  zu  machen,  welches  zunächst ­
  in  praktischer  Hinsicht  Tüchtiges  auf  den  Gebieten  des
Staats  und  der  Kirche  leistete.  Um  nun  speciell  auf  das  Personal ­
  der  Kanzlei  zu  kommen,  so  kann  man  nicht  streng  genug
1  Stumpf  Wirzb.  Imin.  2,  12  mit  Berufung  auf  Wattenbach  Geschichtsquellen ­
  (3.  Aufl.)  1,  238.
2  Waitz  Verf.  Geschichte  G,  271.  —  Dümmler  545.
            
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