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Sickel.
Es gehört heutzutage zu der elementaren Bildung, die
vier Species des Rechnens zu kennen und etwas Sinn und Gedächtniss
für Zahlenverhältnisse zu haben, ferner auf den Lauf
der Zeit zu achten, die Zeitpunkte mit Hilfe eines allerdings
möglichst vereinfachten Schemas von Tagen, Monaten und
Jahren zu bestimmen, einmal bestimmte Zeitverhältnisse festzuhalten
und dem Wandel und Fortgang derselben entsprechenden
Ausdruck zu geben. Wie aber steht es mit dem Verständniss
und der Befähigung für diese Dinge vor vielen, vielen
Jahrhunderten? Von allgemein verbreiteter Bildung kann da
überhaupt nicht die Rede sein, sondern nur von Bildung in
kleineren, je nach Land und Zeit sich um etwas erweiternden
oder auch wieder verengernden Kreisen. Die Frage ist, inwieweit
wir diesen Vertrautheit mit der gemeinen Rechenkunst
und mit der damals weit complicirteren Zeitrechnung zuschreiben
können.
Erwägen wir, dass allüberall, wo elementares Wissen
einigermassen verbreitet ist, begabtere Köpfe auch zu höherem
Streben angeregt werden und durch grössere Arbeitsleistung
die Wissenschaft fortbilden, so spricht es wahrlich nicht zu
Gunsten der spätkarolingischen und der sächsischen Periode,
dass das christliche Abendland seit Alcuin und Dungal so gar
keinen Fortschritt in den mathematischen Disciplinen aufzuweisen
hat 1 und dass der Erneuerer dieser Studien, Gerbert,
nach Spanien in die Schule gehen musste. Selbst der der
Geistlichkeit so unentbehrliche Computus ist durch etwa zwei
Jahrhunderte in keiner Weise fortgebildet worden. Wollte man
aber geltend machen, dass es in dem betreffenden Zeiträume
doch Architekten und stattliche Bauwerke gegeben hat, oder
dass in manchen Klöstern die Musik in Blüthe gestanden hat,
so ergibt sich auch daraus noch nicht mit Nothwendigkeit, dass
mathematisches Wissen fortgedauert habe und gepflegt worden
sei. Denn die Baumeister von damals haben sich, wie einzelne
noch erhaltene Werke bekunden, mehr mit dem Augenmasse
beholfen, als dass sie die Verhältnisse berechnet und durch
Messung bestimmt haben. Und die Musik tritt nicht mehr in
1 Mit etwaiger Ausnahme von Odo’s über occupationum, von dessen verfasser
es doch noch nicht feststeht, wann er gelebt hat.