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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

Beiträge  zur  Diplomatik  VI.

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Aber  was  über  das  gewöhnliche  Mass  hinausgeht,  ist  zu  oft
dem  Verdict  der  Unglaubwürdigkeit  verfallen.  Je  mehr  wir
nun  mit  der  Zeit  Umschau  halten  über  das  Material,  je  mehr
wir  in  das  Detail  der  Merkmale,  in  deren  Abwandlungen  je
nach  Ort,  Zeit  und  Umständen  Einblick  gewinnen,  je  mehr
wir  uns  das  Werden  der  Urkunden  vergegenwärtigen,  desto
vorsichtiger  wird  und  muss  die  Kritik  werden.  In  dem  vorliegenden ­
  Falle  hat  der  Zufall  gewollt,  dass  uns  neben  C  auch
D  und  einige  andere  .einschlägige  Zeugnisse  erhalten  sind,
welche  uns  die  Originalität  und  Echtheit  von  C  verbürgen.
Aber  es  hat  nicht  immer  ein  gleich  günstiges  Geschick  über
die  Urkunden  der  Vergangenheit  gewaltet.  Auch  in  früheren
Jahrhunderten  schon  hat  ein  und  dieselbe  Angelegenheit  Anlass
geboten  zu  einer  ganzen  Reihe  von  Aufzeichnungen,  denen,  da
die  einen  nur  vorübergehenden,  andere  erst  dauernden  Zwecken
dienten,  eine  sehr  verschiedene  äussere  Behandlung  zu  Theil
geworden  ist.  Da  kann  gerade  nur  die  allerformloseste  Gestalt
vor  Vernichtung  bewahrt  worden  und  auch  diese  nur  in  entfernterem ­
  Grade  der  Ueberlieferung  auf  uns  gekommen  sein.
An  einem  solchen  Stücke  diplomatische  Kritik  üben  zu  wollen,
heisst  es  im  voraus  verwerfen.  Es  fragt  sich  nur,  ob  Inhalt
und  des  weitern  jene  allgemeine  Form,  welche  etwa  in  der
Sprache  zum  Ausdruck  kommt,  vor  dem  Richterstuhl  des  Geschichtsforschers ­
  bestehen  oder  nicht.  Ein  Urtheil  darüber  zu
fällen  ist  möglich  und  berechtigt,  auch  wenn  dasselbe  an  der
Sicherheit  der  Begründung  Einbusse  erleidet.

Es  ist  eine  alte  Klage  der  Historiker,  in  welche  auch  der
jüngste  Biograph  Ottos 1  ausbricht,  dass  sich  die  Urkunden
Ottos  durch  grosse  Verwirrung  in  den  Zeitangaben  unvortheilhaft
auszeichnen,  dass  nur  selten  Regierungsjahre,  Jahre  nach  Christi
Geburt  und  Römerzinszahlen  sich  in  Uebereinstimmung  befinden
und  dass  so  der  Ansetzung  der  Diplome  oft  unüberwindbare
Schwierigkeiten  bereitet  werden.  Es  ist  damit  durchaus  nicht
zu  viel,  sondern  noch  zu  wenig  gesagt,  und  man  thut  gut,  sich
erst  die  ganze  Wirklichkeit  zu  vergegenwärtigen,  ehe  man
darauf  sinnt,  die  Schwierigkeiten  zu  überwinden.

Dümmler  544.
            
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