Beiträge zur Diplomatik VI.
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Aber was über das gewöhnliche Mass hinausgeht, ist zu oft
dem Verdict der Unglaubwürdigkeit verfallen. Je mehr wir
nun mit der Zeit Umschau halten über das Material, je mehr
wir in das Detail der Merkmale, in deren Abwandlungen je
nach Ort, Zeit und Umständen Einblick gewinnen, je mehr
wir uns das Werden der Urkunden vergegenwärtigen, desto
vorsichtiger wird und muss die Kritik werden. In dem vorliegenden
Falle hat der Zufall gewollt, dass uns neben C auch
D und einige andere .einschlägige Zeugnisse erhalten sind,
welche uns die Originalität und Echtheit von C verbürgen.
Aber es hat nicht immer ein gleich günstiges Geschick über
die Urkunden der Vergangenheit gewaltet. Auch in früheren
Jahrhunderten schon hat ein und dieselbe Angelegenheit Anlass
geboten zu einer ganzen Reihe von Aufzeichnungen, denen, da
die einen nur vorübergehenden, andere erst dauernden Zwecken
dienten, eine sehr verschiedene äussere Behandlung zu Theil
geworden ist. Da kann gerade nur die allerformloseste Gestalt
vor Vernichtung bewahrt worden und auch diese nur in entfernterem
Grade der Ueberlieferung auf uns gekommen sein.
An einem solchen Stücke diplomatische Kritik üben zu wollen,
heisst es im voraus verwerfen. Es fragt sich nur, ob Inhalt
und des weitern jene allgemeine Form, welche etwa in der
Sprache zum Ausdruck kommt, vor dem Richterstuhl des Geschichtsforschers
bestehen oder nicht. Ein Urtheil darüber zu
fällen ist möglich und berechtigt, auch wenn dasselbe an der
Sicherheit der Begründung Einbusse erleidet.
Es ist eine alte Klage der Historiker, in welche auch der
jüngste Biograph Ottos 1 ausbricht, dass sich die Urkunden
Ottos durch grosse Verwirrung in den Zeitangaben unvortheilhaft
auszeichnen, dass nur selten Regierungsjahre, Jahre nach Christi
Geburt und Römerzinszahlen sich in Uebereinstimmung befinden
und dass so der Ansetzung der Diplome oft unüberwindbare
Schwierigkeiten bereitet werden. Es ist damit durchaus nicht
zu viel, sondern noch zu wenig gesagt, und man thut gut, sich
erst die ganze Wirklichkeit zu vergegenwärtigen, ehe man
darauf sinnt, die Schwierigkeiten zu überwinden.
Dümmler 544.