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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

Beiträge  zur  Diplomatik  VI.

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gemäss,  aber  sie  stellt  der  Bücberminuskel  weit  näher  als  der
diplomatischen  Minuskel,  welche  die  Kanzlei  regelmässig-  für
ihre  Ausfertigungen  verwendete  1  und  die  sich  auch  ausserhalb
der  Kanzlei  stehende  Diplomenschreiber  nachzuahmen  die
Mühe  gaben.  Sie  lässt  sich  am  ehesten  der  in  Chartae  pagenses
vergleichen  oder  der,  welche  auch  die  Kanzleibeamten  in  der
Datirungszeile  anzubringen  pflegten.  Letzteres  gab  mir  Anlass,
die  Buchstaben  des  Contexts  von  C  mit  denen  der  Schlussformeln ­
  zahlreicher  gleichzeitiger  Diplome  zusammenzuhalten;
doch  fand  ich  die  Iiand,  von  der  unser  Stück  stammt,  auch
hier  nicht  wieder.  Somit  kann  ich  den  Context  von  C  so
wenig  für  in  der  Kanzlei  geschrieben  halten,  als  für  dort
dictirt,  und  vollends  kann  ich  C  nicht  als  Präcept  gelten
lassen,  obgleich  dies  Wort  in  dem  schon  angeführten  Schlusssätze ­
  gebraucht  wird.
Auf  der  anderen  Seite  bezeugen  gewisse  äussere  Merkmale ­
  von  C,  dass  an  der  Entstehung  desselben  die  kaiserliche
Kanzlei  sogar  mehrfachen  Antheil  gehabt  hat.  Schon  das
Pergament  ist  als  in  der  Kanzlei  zum  Beschreiben  vorbereitet
zu  bezeichnen.  Wir  sehen  nämlich  unter  den  zehn  Schriftzeilen ­
  zuerst  noch  eine  Linie  blind  vorgezogen,  dann  in  entsprechender ­
  Entfernung  ein  paar  enger  aneinander  gerückte
Linien,  ganz  wie  sie  in  der  Kanzlei  für  Eintragung  der  Subscriptionen ­
  von  Diplomen  vorbereitet  zu  werden  pflegten.
Mehr  ins  Gewicht  fällt  der  graphische  Charakter  der  ersten
verlängerten  Zeile  mit  Einschluss  des  Chrismon.  Jeder  Schriftaller

  vom  Photographen  aufgewandten  Sorgfalt  Hess  sich  das  sehr  zerknitterte ­
  und  hier  und  da  bauschig  gewordene  Pergament  nicht  mehr  als
glatte  Fläche  aufspannen,  am  wenigsten  da  wo  wie  bei  Z.  6  die  Schrift
in  die  alte  Querfalte  fiel,  so  dass  die  Buchstaben  hier  auf  der  Abbildung
verkürzt  erscheinen.  Gleiche  Schwierigkeiten  bereiteten  die  perpendicularen
  Falten.  Hier  habe  ich  besonders  zu  bemerken,  dass  das  Pergament,
da  wo  die  Längenfalte  rechts  vom  Siegel  läuft,  oben  frühzeitig  zerrissen
ist.  Indem  nun  das  Pergament  aufgeklebt,  dabei  aber  die  Ränder  zu
nahe  aneinander  gefügt  wurden,  ist  eine  Furche  entstanden,  in  welcher
einzelne  Buchstaben  verschwinden;  im  Original  noch  allenfalls  sichtbar,
Hessen  sie  sieh  durch  die  Photographie  nicht  wiedergeben.
1  Selbst  der  Originalbrief  St.  460  (jetzt  im  Berliner  Archiv)  ist  so  geschrieben, ­
  und  zwar  von  dem  Notar,  den  wir  im  Neuen  Archiv  1,  464
und  509  mit  Willigis  A.  bezeichnet  haben.

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