404
Sickel.
artige Vorgänge bekannt ist, eines Coinmentars bedürfen, aber
sein amtlicher Charakter wird durch die volle formelle Beglaubigung
der Kaiserurkunde durchaus verbürgt.
Mit C, obgleich wesentlich gleichen Inhalts, da es ebenfalls
besagt: hanc curtem auctoritate nostri precepti renovavimus,
nachdem die Vorgeschichte in ähnlicher Weise vorausgeschickt
worden ist, steht es minder günstig. Soll dieses
Stück ein königliches, von der Kanzlei abgefasstes und geschriebenes
Stück sein? Allerdings sahen wir, dass gerade
unter Otto I. starke Abweichungen von den Normen Vorkommen,
wie auch noch St. 500 vom Jahre 971 zeigt. Aber
C geht doch in wesentlichen Punkten über das sonstige Mass
von Abweichungen hinaus. Von Anomalien im Context seien
zunächst nur zwei hervorgehoben. Nur im Eingang, welcher
der üblichen Fassung der Diplome entspricht, wird der Kaiser
als selbstredend eingeführt; von Zeile 6 an wird blos von dem
imperator erzählt, um ihn dann in Z. 9 wieder selbst sprechen
zu lassen, ein Wechsel für den ich bisher kein Beispiel aus
Königspräcepten des 10. Jahrhunderts beizubringen vermag.
Dazu kommt ein Widerspruch in den erzählenden Theilen,
den wir mit Fug und Recht in jeder Art von historischem
Zeugniss und vollends in einem aus der Kanzlei hervorgegangenen
Diplom als anstössig betrachten müssen. Von der
Churer Kirche heisst es nämlich in Z. 2: cui venerabilis episcopus
Hartbertus ac fidelis noster preesse videtur, während
zum Schluss neben Hartbert auch schon sein Nachfolger Hildibaldus
(seit 969) genannt wird. Dem gegenüber erscheint es
gelind, dass dem in Z. 1 als Petent genannten und bereits
965 verstorbenen Bruno nicht die für Verstorbene übliche
Bezeichnung beatae memoriae gegeben wird. Des weitern
kommt in Betracht, dass C das allen Präcepten eigenthümliche
Eschatokoll vollständig abgeht. Es steht ferner misslich mit
dem einen äussern Merkmal. Z. 2—10 sind offenbar von einer
Hand geschrieben, wenn auch einzelne Buchstaben nicht in
allen Fällen gleich gebildet sind und wenn auch die Schrift
gegen das Ende zu grösser ist. 1 Die Schrift ist durchaus zeit-1
Im Original wird die allmälige und stetige Zunahme der Grösse und
Stärke der Buchstaben mehr ersichtlich als in der Abbildung. Denn bei