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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

Beiträge  zur  Diplomatik  VI.

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Vom  Ortsnamen  sind  nun  noch  deutlich  sichtbar:  1.  der  untere
Theil  eines  Schaftes  von  ganzer  Unterlänge,  2.  sich  so  nahe
anschliessend,  dass  kaum  Raum  für  einen  Buchstaben  dazwischen
bleibt,  der  Rest  eines  gleichfalls  nach  unten,  aber  minder  verlängerten ­
  Buchstabens;  ich  gewann  daraus  sofort  F  R.  Vom
Ende  des  Wortes  ist  nur  noch  ein  Ausläufer  zu  sehen,  der
am  füglichsten  zu  einem  E,  allenfalls  aber  auch  zu  einem
offenen  A  gehören  kann.  So  fiel  mir  zunächst  Frizlare  ein;
aber  der  Name  erscheint  selbst  in  dieser  einfachsten  der  damals
nachweisbaren  Schreibungen  zu  lang  für  die  auszufüllende
Lücke.  In  jeder  Hinsicht  besser  ist  die  Annahme  von  Frose
als  Ausstellungsort.  Ein  kurzer  Name  entspricht  der  Lücke.
Auch  fügt  sich  in  den  wochenlangen  Aufenthalt  Ottos  zu
Magdeburg  im  Jahre  960  recht  gut  ein  Ausflug  nach  dem  nahe
gelegenen  Kloster  ein.  Da  ich  jedoch  dessen  Namen  in  den
Originalen  des  10.  Jahrhunderts  stets  mit  dem  Auslaut  A  geschrieben ­
  finde:  Frosa  (St.  134,  190,  634),  Fruosa  (St.  549),
Frasa  (St.  180,  284),  Vruosa  (St.  218),  dagegen  Fruose  oder
Frose  erst  im  12.  Jahrhundert, 1  lasse  ich  das  E,  das  ich  am
Ende  des  Wortes  noch  zu  erkennen  glaubte,  fallen  und  ersetze
es  durch  das  gleichfalls  zulässige  A.
Glaubte  ich  somit  St.  559  als  Präcept  des  ersten  Otto
trotz  der  falschen  Jahreszahl  durch  die  Einreihung  zum
3.  August  960  in  annehmbarer  Weise  untergebracht  zu  haben,' 2
so  sehe  ich  mich  doch  jetzt,  indem  ich  auf  ein  neues  Moment

Beschaffenheit  gewisser  Stellen  brachten  mich  auf  den  Gedanken,  dass
die  Zerstörung  oder  Beschädigung  des  Pergaments  durch  Fett  herbeigefiihrt
  sei.  Ich  versuchte  daher  besonders  bei  St.  236  und  559  das
Fett  durch  Aether  zu  beseitigen.  Aber  ohne  allen  Erfolg.  Auch  Waschungen ­
  und  Anwendung  von  Reagentien  zeigten  sich  erfolglos.  Höchstens
gelang  es  mir  hier  und  da,  wo  die  Tinte  schon  ganz  verschwunden  war,
den  von  der  Feder  verursachten  Eindruck  in  die  Pergamentoberfläche
wieder  hervorzurufen.  Doch  auch  so  erhielt  ich  nur  zusammenhangslose
Buchstabentheile.  An  der  Stelle  von  der  ich  hier  handle  befindet  sich
ein  Loch,  auf  dessen  dunkelbraunen  Rändern  sich  jedoch  noch  die  letzten
Ausläufer  der  Buchstaben  theils  schwarz  aufliegend  theils  farblos  eingedrückt ­
  erkennen  Hessen.
1  Cod.  dipl.  Anhalt.  1,  28  n°  38;  vgl.  dazu  Förstemann  Ortsnamen  580.
2  So  auch  in  den  Kaiserurkunden  in  der  Schweiz  46.
            
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