Beiträge zur Diplomatik VI.
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Vom Ortsnamen sind nun noch deutlich sichtbar: 1. der untere
Theil eines Schaftes von ganzer Unterlänge, 2. sich so nahe
anschliessend, dass kaum Raum für einen Buchstaben dazwischen
bleibt, der Rest eines gleichfalls nach unten, aber minder verlängerten
Buchstabens; ich gewann daraus sofort F R. Vom
Ende des Wortes ist nur noch ein Ausläufer zu sehen, der
am füglichsten zu einem E, allenfalls aber auch zu einem
offenen A gehören kann. So fiel mir zunächst Frizlare ein;
aber der Name erscheint selbst in dieser einfachsten der damals
nachweisbaren Schreibungen zu lang für die auszufüllende
Lücke. In jeder Hinsicht besser ist die Annahme von Frose
als Ausstellungsort. Ein kurzer Name entspricht der Lücke.
Auch fügt sich in den wochenlangen Aufenthalt Ottos zu
Magdeburg im Jahre 960 recht gut ein Ausflug nach dem nahe
gelegenen Kloster ein. Da ich jedoch dessen Namen in den
Originalen des 10. Jahrhunderts stets mit dem Auslaut A geschrieben
finde: Frosa (St. 134, 190, 634), Fruosa (St. 549),
Frasa (St. 180, 284), Vruosa (St. 218), dagegen Fruose oder
Frose erst im 12. Jahrhundert, 1 lasse ich das E, das ich am
Ende des Wortes noch zu erkennen glaubte, fallen und ersetze
es durch das gleichfalls zulässige A.
Glaubte ich somit St. 559 als Präcept des ersten Otto
trotz der falschen Jahreszahl durch die Einreihung zum
3. August 960 in annehmbarer Weise untergebracht zu haben,' 2
so sehe ich mich doch jetzt, indem ich auf ein neues Moment
Beschaffenheit gewisser Stellen brachten mich auf den Gedanken, dass
die Zerstörung oder Beschädigung des Pergaments durch Fett herbeigefiihrt
sei. Ich versuchte daher besonders bei St. 236 und 559 das
Fett durch Aether zu beseitigen. Aber ohne allen Erfolg. Auch Waschungen
und Anwendung von Reagentien zeigten sich erfolglos. Höchstens
gelang es mir hier und da, wo die Tinte schon ganz verschwunden war,
den von der Feder verursachten Eindruck in die Pergamentoberfläche
wieder hervorzurufen. Doch auch so erhielt ich nur zusammenhangslose
Buchstabentheile. An der Stelle von der ich hier handle befindet sich
ein Loch, auf dessen dunkelbraunen Rändern sich jedoch noch die letzten
Ausläufer der Buchstaben theils schwarz aufliegend theils farblos eingedrückt
erkennen Hessen.
1 Cod. dipl. Anhalt. 1, 28 n° 38; vgl. dazu Förstemann Ortsnamen 580.
2 So auch in den Kaiserurkunden in der Schweiz 46.