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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

396  Sickel.
ich  hätte  demgemäss  St.  559  als  Diplom  Otto  I.  einzureihen
zwischen  die  Urkunde  für  S.  Sesto  in  Friaul  (Magdeburg,
13.  Juli  960,  in  Acta  imperii  selecta  1,  4,  Nr.  6)  und  St.  275
(Magdeburg,  21.  August  960).  Um  diese  Zeit  lernen  wir  aus
St.  277  Liutolf  C.  als  in  der  Kanzlei  beschäftigt  kennen.  Wir
wissen  auch  aus  St.  286  und  287,  dass  Bischof  Hartbert  der
Zusammenkunft  Ottos  mit  König  Conrad  von  Burgund  zu  Clofheim
  beiwohnte,  welche  nach  St.  270  in  den  Mai  960  fällt.
Auch  um  Weihnachten  wieder  weilte  der  Bischof  bei  Hofe. 1
Er  könnte  also  füglich  damals  die  Bitte  um  ein  neues  Präcept
betreffs  Zizers  vorgebracht  und  die  Erfüllung  erwirkt  haben.
Danach  habe  ich  weiter  den  Ausstellungsort  von  St.  559
zu  bestimmen  gesucht.  Auszugehen  war  dabei  natürlich  von
dem  was  mehr  oder  minder  sicher  vom  Original  noch  zu  entziffern ­
  war.  Ich  muss  hier  bemerken,  dass,  wo  ich  im  Abdrucke ­
  Lücken  angezeigt  habe,  nicht  immer  das  Pergament
vollständig  zerstört  ist,  sondern  dass  zuweilen  und  besonders
an  den  Rändern  der  zum  Theil  vorhandenen  Löcher  blos  die
Oberfläche  des  Pergaments  mit  der  Tinte  geschwunden  ist. 2

diesen  Tag  in  den  Anfang  der  Regierungsjahre  fallen  lassen  will.  Seine
Beweisführung  hat  mich  aber  nicht  überzeugt.  Er  stützt  sieh  doch  hauptsächlich ­
  auf  St.  491,  dessen  Ausstellungsort  Bovino  in  Apulien  deutlich
auf  das  Jahr  970  hinweist  und  das  mit  III:  non.  aug.  anno  regni  XXXV
versehen  ist.  Köpke  begeht  hier  den  häufigen  Fehler,  ein  Diplom  aus
dem  Zusammenhänge  herauszureissen  und  ohne  Rücksicht  auf  gleichzeitige ­
  Stücke  die  Jahresangaben  deuten  zu  wollen.  So  leitet  er  hier
aus  dem  Ansatz:  fünfunddreissigstes  Regierungsjahr  am  3.  August  970
ab,  dass  Otto  spätestens  am  3.  August  936  auf  den  Thron  gestiegen  sein
müsse.  Nun  lehren  aber  die  St.  491  unmittelbar  vorausgehenden  Ausfertigungen ­
  der  deutschen  Kanzlei  (in  denen  der  italienischen  Kanzlei  wurden
damals  anni  regni  gar  nicht  gezählt),  dass  die  Anticipation  um  1  zur
Regel  geworden  war  und  nach  dieser  der  3.  August  970  als  zu  Ende
des  Regierungsjahres  fallend  a.  r.  XXXV  erhalten  musste.  Somit  kann
ich,  was  St.  491  betrifft,  immer  noch  an  dem  Ansatz  von  Stumpf  (Otto  I.,
König  seit  7.  August  936),  festhalten,  werde  jedoch  seiner  Zeit  auch
meinerseits  noch  eine  Berechnung  des  Epochentags  vornehmen.
1  Dümmler  Otto  I.  319.
2  Die  Beschädigung  von  zahlreichen  mir  durch  die  Hände  gegangenen
Churer  Schriftstücken  ist  eine  so  gleichartige,  dass  man  aus  dieser  Wirkung ­
  auch  auf  gleiche  Ursache  schliessen  muss.  Farbe  und  sonstige
            
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