Beiträge zur Diplomatik VI.
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alsdann die Abweichungen und Fehler vom Dictator und vom
Schreiber der königlichen Kanzlei verschuldet und es kann
ferner, da sie stehen geblieben sind, keine genaue Revision
der fertigen Urkunde stattgefunden haben.
An diesem Punkte der Betrachtung von A angekommen,
konnte ich nicht umhin die Ergebnisse zu berücksichtigen, zu
welchen Stumpf-Brentano bei seinen diplomatischen Untersuchungen
gelangt ist und welche er dahin zusammenfasst:
dass von Willkür oder Zufälligkeit im grossen Ganzen bei
der Führung besonders des Protokollwesens in den Kaiserurkunden
des 10. Jahrhunderts nicht mehr die Rede sein
könne. Wo derlei heut zu Tage tritt, wird es in überwiegender
Weise auf die Fahrlässigkeit späterer Copisten in den Chartularien
wie auch in unseren Abdrücken zu setzen sein. Im
Gegentheil, fast allenthalben waltet ein strenges Gesetz vor,
das freilich erst erkannt sein will, um es zu würdigen und
bei der diplomatischen Kritik anwenden zu können. 1 So
1 Die Wirzburger Immunität-Urkunden 1 (erschien im Herbst 1875), 39.
Vgl. dazu was der Verfasser ib. 9 —11 über seine eigenen Untersuchungen,
ib. 34, Anm. 58 über die Revision der Diplome, ib. 49—51
über defecte oder incorreete Corroborationsfonneln bemerkt. Wo Stumpf
von der Kanzleiunterfertigung redet (1, 47) beruft er sich sogar auf ausdrückliche
Satzungen der damaligen Kanzleien: ich gestehe, dass mir
bisher von solchen nichts bekannt geworden ist. In der 2. Abtlieilung
der Schrift über die W. I.-U. (erschien 1876) kommt Stumpf S. 12—13
nochmals auf die Reform der Kanzlei durch Brun und die grosse Ordnung
in derselben zurück. Letztere Ansicht ist sehr verbreitet. Nur
Waitz in der Verf.-Gesch. 6, 271 tritt ihr in etwas entgegen, und
Diimmler in Otto der Grosse 544 hat ihr wenigstens nicht beigestimmt. —
Ich würde auf den folgenden Blättern sehr oft Anlass haben, von
Stumpf aufgestellte Behauptungen zu widerlegen oder mindestens einzuschränken,
werde mich aber in der Discussion auf einige wesentliche
Punkte beschränken. Das Verhältniss der diplomatischen Arbeiten Stumpfs
zu meinen früheren oder jetzigen scheint mir dieses zu sein. Mein Fachgenosse
hat sich ein in Anbetracht des erforderlichen Aufwandes von
Arbeitskraft sehr umfangreiches Gebiet gewählt, ich habe vorgezogen,
mir engere Schranken zu ziehen. Kann ich daher mehr als er in das
Detail gehen und auf kleinem Gebiete zu sicheren Ergebnissen kommen,
so hat er den Vortheil vor mir voraus, dass er durch die Beschäftigung
mit dem Stoffe vieler Jahrhunderte leichter Einblick gewinnt in die Entwicklung
im Grossen und Ganzen, in den Zusammenhang der hundertfältigen
wechselnden Erscheinungen. In dieser Beziehung gestehe ich
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