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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

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Sickel.

Diplom  Ottos  für  Chur  vom  Jahre  972  (Stumpf  516)  zusammen, ­
  dessen  Urschrift  ich  einst  im  Kloster  St.  Paul  im  Lavantthale
  gesehen  hatte.  Der  hochwürdige  Herr  Prälat  war  so
freundlich,  dies  Stück  gleichfalls  nach  Wien  zu  senden.  Nun
erst  vermochte  ich  nach  eingehender  Vergleichung  der  drei
Urkunden  auch  über  die  zwei  ersteren  ein  sicheres  Urtheil  zu
fällen.  Schon  das  damals  gewonnene  Ergehniss  schien  mir
wichtig  genug,  um  es  in  der  Sitzung  der  philosophisch-historischen ­
  Classe  vom  9.  December  1875  mitzutheilen,  und  zwar
unter  Vorlage  der  drei  Original-Diplome.  Indem  sich  die
Classe  dabei  überzeugte,  dass  sich  über  die  Echtheit  derselben
nur  bei  näherem  Eingehen  auf  die  äusseren  Merkmale  reden
und  entscheiden  lasse,  beschloss  sie  alle  drei  facsimiliren  zu
lassen.  Nachdem  dies  geschehen,  worüber  allerdings  fast  ein
Jahr  verflossen, 1  liefere  ich  hiermit  den  diplomatischen  Commentar,
  dessen  diese  Urkunden,  eine  jede  in  ihrer  Art,  benöthigen,
  und  beziehe  noch  eine  vierte  verwandten  Inhalts  mit
ein,  welche  ich  inzwischen  in  Chur  zu  untersuchen  Gelegenheit
hatte.  Von  allen  vier,  die  ich  der  zeitlichen  Aufeinanderfolge
entsprechend  mit  A,  B,  C,  D  bezeichnen  will,  biete  ich  auch
correcte  Abdrücke.
Natürlich  kommt  mir  bei  dieser  Arbeit  sehr  zu  statten,
dass  ich  über  ein  verhältnissmässig  reiches  Material  verfüge,
welches  behufs  Edition  der  Kaiserurkunden  des  10.  Jahrhunderts ­
  für  die  Monuinenta  Germaniae  von  mir  und  meinen
Mitarbeitern  seit  einem  Jahre  gesammelt  und  zum  Theil  auch
schon  gesichtet  ist.  Aber  ich  bin  doch  noch  nicht  im  Besitz
des  gesammten  Stoffs  und  habe  noch  weniger  bereits  die  unendliche ­
  Mannigfaltigkeit  desselben  zu  überblicken  und  zu  beherrschen ­
  gelernt.  So  biete  ich  also  anknüpfend  an  die  vier
Urkunden  Otto  I.  für  Chur  im  eigentlichsten  Sinne  nur  Beiträge ­
  zur  Lehre  von  den  Ottonischen  Diplomen.  Einige  wichtige
Punkte  lasse  ich  hier  noch  ganz  unerörtert,  andere  berühre  ich
nur  gelegentlich  und  oberflächlich.  Dagegen  werde  ich  alles,
1  Die  photographische  Aufnahme  und  die  Uebertragung  auf  Stein  besorgte
Herr  Carl  Haack  in  Wien.  —  Zu  den  vollständigen  Abbildungen  der
drei  Churer  Diplome  kommt  hier  noch  ein  Fragment  des  Diploms
Stumpf  233,  welches  für  die  Vergleichung  der  Schrift  von  Stumpf  236
benöthigt  wurde.
            
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