Der Mythus vom Markgrafen Rüdeger.
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sondern auch aus dem Umstande, dass nicht er, sondern Giselher
begabt wird, ein Vorgang, den das junge Epos durch Gastfreundschaft
nur schwach motivirt. Es ist unter diesen Umständen
nothwendig, hier noch einer, und zwar der jüngsten Quellenstelle
zu gedenken, obwohl ich jede weitere Folgerung ausdrücklich ablehne;
der Anhang des Heldenbuches nämlich sagt geradezu:
,Markgraf Riediger von Bethelar dem gäbe Icünig günther syn
tocliter, die was kiinig Gibichs suns tochter‘ (Ausgabe von 1509,
HS. S. 288).
Fassen wir demnach die gewonnenen Resultate 1 in Kürze
zusammen, so ergibt sich neben dem beiläufigen Nachweise des
dämonischen Günthers die Geschichte der Rüdegersage ungefähr
in folgender Gestalt:
Bis in die letzte Zeit des Heidenthums ward von den
Bayern Wodan selbst als Sonnengott verehrt; besonderes Ansehen
genoss bei ihnen der hier wie anderwärts vorkommende
Hruodperaht, eine der Hypostasen des höchsten Gottes, der in
den Donaulandschaften mit Perahta eine Stelle auszufüllen
scheint, die sonst die Vanengötter einnehmen: er erscheint als
Segenspender, Ehestifter, aber auch als Schirmer und Geleiter
der Helden, NN. 2197, 2, 3, als ijeveioc; — sogar ausdrücklich
2101, 4 — und indem er die Eidestreue durch seinen Tod
besiegelt, auch als öpv.ioq.
Da am Ausgange des X. Jahrhundertes deutsche Colonen
die Reichsgrenze siegreich hinausschieben gegen den Osten in
unablässigen Kämpfen, wird die Sage vom Helfer Ruprecht,
da in nächster Nähe der Stätte seiner Verehrung (Erlafmündung)
das neue Kloster Molk gegründet wird, auf den ersten
Grafen der Ostmark übertragen; der Gott aber ist zum Heros
1 Nur der Vollständigkeit halber erwähne ich noch die beiden bisher unerklärten
Züge: Rüdegers Elend und arabische Herkunft; ersteres erklärt
sich aus seiner Stellung zu Etzel: nur gezwungen dienen christliche
Helden dem heidnischen Hunnenkönige: Dietrich ist seines Reiches
beraubt; Iring und Irmenfried sind der Acht verfallen; Rüdeger ist eilende.
Die spanische Abstammung aber ist eine auf den Umstand, dass der
Markgraf als fremd galt, gegründete nichtige Erfindung des Verfassers
des Biterolf; entsprechend, wie ich HZ. XXI. 187 zeige, einer Wiener Mode
zu Ausgang des XII. Jahrhunderts.