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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

Der  Mythus  vom  Markgrafen  ßüdeger.

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wände  Keiler  mit  seinem  Hauer  in  die  Wade  auch  wieder  zum
Tode  verwundet.  Gemeiniglich  führt  der  Jäger  den  Namen
Hackelberg  oder  Hackelbernd,  den  Grimm  Myth.  134  als  Führer ­
  des  wilden  Heeres  mit  Wodan  identificirt  hat.  Indem  man
nun  den  Eber  als  Repräsentanten  einer  beliebigen  verderblichen ­
  Macht  annahm  (z.  B.  des  Sturmes,  der  das  Getreide
niederfegt!),  erklärte  man  die  ganze  Sage  als  einen  Sommersonnwendmythus. ­
  Aber  man  übersieht,  dass  beide  kämpfende
Gewalten  fallen,  somit  eine  Deutung  auf  eine  bestimmte  Jahreszeit ­
  ganz  und  gar  willkürlich  und  unstatthaft  ist.  Nachdem  aber
der  in  der  Kremsmünsterer  Sage  mit  diesem  Mythus  verbundene ­
  Sonnenhirsch  Simrock  Myth.  §.  102,  der  in  der  Regel
als  Führer  in  die  Unterwelt  auftritt,  die  Beziehung  auf  einen
Sonnengott  ausser  Frage  stellt,  dürfen  wir  wohl  auch  in  dem
kämpfenden  Eber  das  heilige  Thier  des  Sonnengottes  erblicken,
als  der  hier  Wodan  erscheint.  Es  bleibt  demnach  fraglich,  in
welchem  der  beiden  dämonischen  Wesen  wir  die  gütige,  in
welchem  die  zürnende  Gottheit  zu  erblicken  haben.  Es  kann
Gunther-Hackelberg  wirklich  dem  Wodan  entsprechen,  es  kann
aber  auch  unter  der  Gestalt  seines  heiligen  Thieres  der  Sonnengott ­
  auftreten  (Verwandlung  von  Göttern  in  Thiere,  Grimm
Myth.  622,  Beispiele  314);  dieser  Zwiespalt,  diese  Unsicherheit,
dieses  Schwanken  der  Erklärung  sind  jedoch  nur  scheinbar,
wenn  wir  wie  bei  dem  Mythus  von  der  verweigerten  und  umbuhlten ­
  Braut  beide  Wesen  nach  der  utraquistischen  Natur  des
germanischen  Mythus  als  Emanationen  desselben  höchsten  Gottes
auffassen,  der  demnach  wieder  gespalten  erscheint  nach  der
Doppelseitigkeit  seines  Wesens.  Es  sind  daher  Gunther-Hackelbernd
  und  der  Eber,  nachdem  sie  beide  gleiches  Schicksal  erfahren
und  uns  somit  jedes  sichere  Kriterium  fehlt,  nach  dem  gegenwärtigen ­
  Stande  der  Kenntnisse  weder  als  gütige  noch  als  zürnende,
sondern  schechtweg  als  dämonische  Wesen  zu  bezeichnen.
Dieser  dämonische  Günther  nun,  der  den  Sonneneber
tödtet,  ist  jener  von  Lachmann  postulirte,  als  Ergebniss  seiner
Kritik  vorausgesetzte,  der  älter  sein  muss  als  die  Anknüpfung
der  Sage  vom  Untergange  des  Burgondeureiches  an  den  Nibelungenmythus ­
  (cca.  453  HZ.  X.  156).
Es  ist  nun  von  hoher  Wichtigkeit,  dass  sich  uns  bei  demselben ­
  Stamme,  dessen  Thätigkeit  für  die  Fortbildung  der
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