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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

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Math.

ein  Zeugniss  für  die  letztere  haben,  das  älter  wäre,  als  die  Erzählung ­
  von  der  Gründung'  Mölks?  Das  Ergebniss,  zu  dem  wir
hiebei  gelangen,  ist  ein  unerwartetes.
Bekanntlich  hat  Lachmann  seine  Erklärung  der  Nibelungensage ­
  auf  die  Annahme  eines  doppelten  Günther  gestützt,
eines  rein  mythischen  neben  dem  Burgondenkönige,  deren  zufällige ­
  Namensidentität  der  nächste  Anlass  zur  Verschmelzung
beider  Sagenbestandtheile,  des  mythischen  und  historischen,
wurde,  und  Müllenhoff  hat  ihm,  neues  Materiale  beibringend
(ZGNS.  HZ.  X.  163  f.)  hierin  beigestimmt;  auf  dem  Boden
unserer  Heimat  nun  findet  sich  ein  positives  Zeugniss  für
jenen  mythischen  Günther,  der  bisher  nur  ein  Postulat  der
Lachmann’schen  Kritik  war,  wohl  geeignet,  jeden  Zweifel  von
vorneherein  auszuschliessen.  Es  ist  wieder  eine  österreichische
Klostersage,  die  hier  anzuziehen  ist,  spät  überliefert,  aber  noch
durchaus  klar  in  ihren  mythischen  Bestandtheilen,  des  Bernardus
Noricus  (wenn  der  Name  noch  gestattet  ist)  Erzählung  ,de
fundatione  monasterii  Cremifanensis'  (gedruckt  bei  Loserth,
Kremsmiinsterer  Geschiehtsquellcn,  S.  89  f.).  Da  wird  berichtet,
wie  Tassilos  Sohn  Günther,  eine  Persönlichkeit,  die  sonst  nirgends ­
  vorkommend,  jeder  historischen  Beglaubigung  entbehrt,
einst  auf  der  Jagd  ,silvestrem  suem  reperit  et  in  loco,  uh
fons  qui  nunc  Gundraeich  (1.  Gunderdeich)  dicitur,  forte  ob
eventu  necis  et  u  nomine  principis  sit  vocatus,  limpidas  fundit
aquas,  ipsurn  solus  aggreditur,  casu  famulis  absentibus  et
cuspide  liunc  transfodit.  Bestia  vero  ex  ferientis  vulnere  imtata,
  ferociter  acutos  retorquet  dentes  et  in  sura.  pedis  percüsKum
  juvenem  letaliter,  prob  dolor!  saucicivit,  sicque  homo
ac  fera  pariter  corruerunt‘.  Der  Leichnam  wird  von  Tassilo
gefunden,  der  Vater  bejammert  den  Sohn;  doch  da  er  Nachts
erwägt,  wie  er  das  Andenken  des  Todten  am  würdigsten  feiern
könne,  ,vidit  cervurn  quendam,  a  vastitate  silvae  venientem  et
in  erectis  cornibus  candelas  igneas  ostendentem.  ac  in  loco  ipso
cominus  subsistentem,  quem  dominus  deus  nostrae  (sc.  Cremifanensis)
  structurae  atque  defuncti  corporis  praeordinaverat  sepulturaeb
Das  ist  nun  eine  in  genau  derselben  Form  an  den  verschiedensten ­
  Orten  wieder  auftauchende  Wodansage,  über  die
am  ausführlichsten  handelt  Simrock  Myth.  §.  73.  3  a.  Der
wesentliche  Zug  derselben  ist,  dass  der  getödtete  oder  tod-
            
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