Der Mythus vom Markgrafen Rüdeger.
271
Verlöbniss seiner Tochter wird ihm nicht minder verhängnisvoll
durch den Verlust, die Hingabe seines Schwertes. Eine Waffe,
im entscheidenden Momente entweder geboten oder vermisst,
spielt überhaupt in verschiedenen Foiunen unserer Sage eine
wesentliche Rolle: wie der österreichische Markgraf, der englische
Robin im rechten Augenblicke mit ihrer Waffe einspringen,
gibt umgekehrt Rüdeger ein Schwert hin, durch das er später
• seinen Tod findet. Dass aber der Verlust der Waffe wesentlich
ist, d. h. dass der Held gerade nur durch diese Waffe
fallen kann, erhellt aus dem Zusammenhänge der Darstellung.
Zweimal gedoppelt kommt in den Nibelungenliedern die Hingabe
einer Waffe von Seite Rüdegers vor (Nudungs Schild an
Hagen und sein Schwert an Gfernot und wieder den eigenen
Schild an Hagen 1636 f. 1633. 2131 f.); die zweimalige Begabung
Hägens kann nur als doppelte Version derselben Sage
angesehen werden, wenn auch 2131, 2 das im XV. Liede erzählte
vorausgesetzt ist; in unserem Epos bleibt der ganze Vorgang
ohne Folgen und ist nur psychologisch verwerthet; desto
folgenschwerer ist die Hingabe des Schwertes an Gernot; die
Güte der Waffe und dass Rüdeger gerade durch sie fallen
muss, wird mit dem grössten Nachdrucke betont; das Schwert
heisst ein -weifen guot genuoc 1633, 1; diu vil vielte gäbe 2121, 2;
Gernot rühmt es selbst 2122 :
Daz ist mir nie geswichen in aller dirre not:
linder sinen ecken lit manic riter tot.
ez ist luter uude stsete, herlich unde guot.
ich wsen so riche gäbe ein reke nimmer mer getuot.
Dass Rüdeger durch sein eigenes Schwert fällt, heisst es
1633, 4 doch verlos Riiediger dä von sider den lip.
Gernot sagt:
2121, 4 hie trag ich iwer waffen, daz ir mir gäbet, heit guot.
2123, 3 mit iwer selbes swerde niin icli iu den lip.
2154, 1 nu mag iu iwer gäbe wol ze schaden komen . . .
4 iwer gäbe wirt verdienet so ich iz aller hoehste kan.
und weiter heisst es
2157, 1 die Riiedegeres gäbe an hende er höh erwac.
2158, 1 ja wart nie wirs gelönet so richer gäbe mer.
Wie hohe Bedeutung die Sage dem Verluste dieses Schwertes
beimass, ergibt sich aus abweichender Ueberlieferung in der