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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

Der  Mythus  vom  Markgrafen  Rüdeger.

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Verlöbniss  seiner  Tochter  wird  ihm  nicht  minder  verhängnisvoll
durch  den  Verlust,  die  Hingabe  seines  Schwertes.  Eine  Waffe,
im  entscheidenden  Momente  entweder  geboten  oder  vermisst,
spielt  überhaupt  in  verschiedenen  Foiunen  unserer  Sage  eine
wesentliche  Rolle:  wie  der  österreichische  Markgraf,  der  englische ­
  Robin  im  rechten  Augenblicke  mit  ihrer  Waffe  einspringen,
gibt  umgekehrt  Rüdeger  ein  Schwert  hin,  durch  das  er  später
•  seinen  Tod  findet.  Dass  aber  der  Verlust  der  Waffe  wesentlich ­
  ist,  d.  h.  dass  der  Held  gerade  nur  durch  diese  Waffe
fallen  kann,  erhellt  aus  dem  Zusammenhänge  der  Darstellung.
Zweimal  gedoppelt  kommt  in  den  Nibelungenliedern  die  Hingabe ­
  einer  Waffe  von  Seite  Rüdegers  vor  (Nudungs  Schild  an
Hagen  und  sein  Schwert  an  Gfernot  und  wieder  den  eigenen
Schild  an  Hagen  1636  f.  1633.  2131  f.);  die  zweimalige  Begabung ­
  Hägens  kann  nur  als  doppelte  Version  derselben  Sage
angesehen  werden,  wenn  auch  2131,  2  das  im  XV.  Liede  erzählte ­
  vorausgesetzt  ist;  in  unserem  Epos  bleibt  der  ganze  Vorgang ­
  ohne  Folgen  und  ist  nur  psychologisch  verwerthet;  desto
folgenschwerer  ist  die  Hingabe  des  Schwertes  an  Gernot;  die
Güte  der  Waffe  und  dass  Rüdeger  gerade  durch  sie  fallen
muss,  wird  mit  dem  grössten  Nachdrucke  betont;  das  Schwert
heisst  ein  -weifen  guot  genuoc  1633,  1;  diu  vil  vielte  gäbe  2121,  2;
Gernot  rühmt  es  selbst  2122  :
Daz  ist  mir  nie  geswichen  in  aller  dirre  not:
linder  sinen  ecken  lit  manic  riter  tot.
ez  ist  luter  uude  stsete,  herlich  unde  guot.
ich  wsen  so  riche  gäbe  ein  reke  nimmer  mer  getuot.
Dass  Rüdeger  durch  sein  eigenes  Schwert  fällt,  heisst  es
1633,  4  doch  verlos  Riiediger  dä  von  sider  den  lip.
Gernot  sagt:
2121,  4  hie  trag  ich  iwer  waffen,  daz  ir  mir  gäbet,  heit  guot.
2123,  3  mit  iwer  selbes  swerde  niin  icli  iu  den  lip.
2154,  1  nu  mag  iu  iwer  gäbe  wol  ze  schaden  komen  .  .  .
4  iwer  gäbe  wirt  verdienet  so  ich  iz  aller  hoehste  kan.
und  weiter  heisst  es
2157,  1  die  Riiedegeres  gäbe  an  hende  er  höh  erwac.
2158,  1  ja  wart  nie  wirs  gelönet  so  richer  gäbe  mer.
Wie  hohe  Bedeutung  die  Sage  dem  Verluste  dieses  Schwertes
beimass,  ergibt  sich  aus  abweichender  Ueberlieferung  in  der
            
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