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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

270

Muth.

(Perahta)  als  Gattin  empfing-. 1  So  ist  denn  nun  die  enge
Beziehung  des  Markgrafen  Rüdeger  zu  Etzels  erster  Gemalin,
wie  sie  noch  die  Epik  des  XIII.  Jahrhunderts  kennt,  genügend
erklärt.
Wie  in  den  besprochenen  Formen  der  Ueberlieferung  ist
Markgraf  Rüdeger  auch  in  der  Nibelungensage  der  Brautwerber
Etzels  bei  seiner  zweiten  Gemalin,  wohl  kaum  ursprünglich,
sondern  durch  Analogie;  die  Vilkinasaga  theilt  diese  Rolle  auch
nicht  ihm,  sondern  einem  Osid  (c.  356),  Atlis  Neffen  (c.  41)
zu,  der  also  gleichsam  vermittelnd  zwischen  den  beiden  Namensreihen ­
  (Jiruod  und  das  dunkle  6s)  steht;  die  Braut  holt  der
König  persönlich  ein  und  bei  dieser  Gelegenheit  trifft  auch
Rodingeir  mit  den  Niflungen  zusammen  (c.  358),  was  für
unsere  Erörterung  wichtig  ist.
Endlich  aber  vermittelt  Rüdeger  noch  ein  Verlöbniss,  das
seiner  Tochter  mit  dem  Burgondenkönige  Giselher;  die  Erzählung ­
  der  Vilkinasaga,  nach  der  Rodingeir  der  Entgegenkommende ­
  ist  (c.  369.  370)  trägt  gegenüber  der  höfischen  Darstellung ­
  im  XV.  Liede  von  den  Nibelungen  das  entschiedene
Gepräge  höheren  Alters.
So  ist  uns  denn,  wie  oben  betont  wurde,  Rüdeger  wirklich
in  den  verschiedensten  Situationen  als  Brautwerber,  Brautvater,
Bräutigam,  kurz  als  Ehestifter  erschienen  und  sind  wir  berechtigt, ­
  dies  als  das  erste  wesentliche  Moment  seines  Mythus
hervorzuheben.

II.
Wo  uns  die  Rüdegersage  in  ihrer  jüngsten  aber  auch
ausgebildctsten  Gestalt  entgegen  tritt,  in  den  Nibelungenliedern
und  in  der  Vilkinasaga  c.  356  f.,  waltet  über  dem  Bunde,  den
der  milde  Markgraf  knüpft,  ein  unheilvolles  Geschick:  seine
Werbung  um  Kriemhild  bringt  ihm  den  Untergang  und  das

1  Auf  eben  dieselbe  Weise  erklärt-  sieh  demnach  die  Einführung  eines
Rodolf  neben  Rodingeir  trotz  der  Einwendung  Rassmanns  HS.  II.  211.
Rodingeir  war  in  der  Saga  gegeben  als  Gemal  der  Gudelinda  und  konnte
somit  nicht  mit  Berta  wiederum  vermalt  worden.
            
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