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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

Der  Mythus  vom  MarVgrafen  Rüdeger.

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wir  nun  wieder  im  Namen  Rother-Hrodhari  die  Uebereinstimmung
  des  ersten  Stammwortes;  ja  es  scheint  gestattet,  den
Namen  dieses  Sagenhelden  noch  enger  an  den  Rüdegers  zu
knüpfen,  wenn  wir  die  Formen  König  Rugger,  Rücker,  die
W.  Grimm  HS.  171.  313.  belegt  und  die  wohl  auf  Ruotger
(ibid.  S.  286)  nicht  aber  auf  Ruother  zurückführen,  erwägen.
Es  ist  aber  wichtig,  dass  ein  Träger  dieses  Namens  in
einer  Form  der  Sage  als  der  Bräutigam  und  nicht  nur  als
Vermittler  erscheint,  denn  hiemit  ist  ein  Beleg  gewonnen  für
die  Ansicht  A.  Kuhns  HZ.  V.  483,  nach  dem  Hruodperaht
ursprünglich  nur  ein  Beiname  Wodans  war,  der  ja  allen  diesen
verweigernden  Vätern  und  buhlenden  Freiern  zu  Grunde  liegt,
und  die  hypostasirte  Gestalt  sich  erst  allmählich  von  dem
Urtypus  loslöste:  so  wird  der  Name  Robin  Hood,  den  Kuhn
ibid.  S.  476  richtig  gedeutet  hat  (Robin  Koseform  von  Hrodebert,
Robert  und  Hood-Woden),  klar  und  so  die  Doppelrolle,  die
der  Träger  dieses  Namens  spielt,  in  dem  er  bald  wie  in  der
Mölkersage  als  der  Helfer  in  der  Noth  und  Sieger,  bald  wie
im  Nibelungenliede  als  der  vom  Verlust  betroffene  und  Unterliegende ­
  erscheint.
Auch  über  den  Anlass  der  Hypostasirung  und  Loslösung
der  Gestalt  Hruodperahts  von  der  Wodans  lässt  sich  eine  Vermuthung
  wagen.  Nach  der  oben  dargestellten  Form  der  Osantrixsage
  wird  Rodolf  mit  Berta,  Erkas  Schwester  vermält;  wenn
wir  nun  bedenken,  dass  zu  Hruodperaht  Perahta  so  nothwendig
gehört,  wie  zu  Frö  Frouwa,  gewinnt  diese  vereinzelte  Ueberlieferung,
  denn  sonst  ist  der  hochdeutschen  Sage  entsprechend
auch  in  der  Vilkinisaga  Gudelinda  des  Markgrafen  Rödingeir
Weib,  an  Bedeutung.  Es  scheinen  zwei  Formen  derselben
Sage  verschmolzen,  indem  dieselbe  Fabel  an  zwei  Orten  nur
in  der  Weise  verschieden  erzählt  wurde,  dass  an  dem  einen
die  Braut  Erka,  an  dem  andren  Bertha  hiess  —  sehr  möglich,
bei  der  Mannigfaltigkeit  der  Namen  und  Uebereinstimmung
des  Wesens  der  weiblichen  Gottheiten  —,  bei  der  Vereinigung
beider  Erzählungen  aber  beide  Namen  beibehalten  und  dem
Bewerber  Wodan-Hruodperaht  ein  Genosse,  Diener,  Vermittler
beigegeben  wurde,  der  das  Attribut  des  ,Ruhmleuchtenden - '
(Hruodperaht)  als  Name  und  die  zweite  Göttin  die  ,Strahlende*
            
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