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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

lieber  eine  Snmml.  Gregor’s  I.  von  Schreiben  n.  Verordn,  der  Kaiser  u.  Päpste.  255

geneigt  dieses  Stück  für  einen  späteren  Zusatz  zu  halten,  weil
es  seinem  Character  nach  gar  nicht  in  die  Sammlung  passt.
Die  Notiz,  welche  sich  (in  dem  von  mir  benutzten  älteren
venetianer  Codex,  wahrscheinlich  auch  in  den  übrigen)  zu
diesem  Stück  findet:  Hie  inseruntur  ex  alio  volumine,  würde
demnach  nicht  auf  die  Rechnung  des  Autors  unsrer  Sammlung,
sondern  auf  die  einer  späteren  Hand  kommen.  1  Dem  sei
indess,  wie  ihm  wolle,  für  das  genealogische  Verhältniss  der
Handschriften,  soweit  dasselbe  uns  hier  interessirt,  ist  der  in
allen  Exemplaren  vorkommende  Defect  am  Schluss  allein
durchaus  entscheidend.  Dieser  weist  auf  ein  einziges  verstümmeltes ­
  Exemplar  zurück,  von  dem  alle  jetzt  noch  vorhandenen ­
  abgeleitet  sind.
Wenn  aber  dem  so  ist,  dann  kann  auch  das  Fehlen
einer  Angabe  über  die  Autorschaft  in  den  uns  erhaltenen
Manuscripten  der  avellauischen  Sammlung  gegen  die  Identität
dieser  mit  der  von  Petrus  Crassus  besessenen  Sammlung
Gregor’s  I.  nichts  beweisen.  Dieser  Mangel  ist  nun  auf  ein
einziges  Exemplar  zurückzuführen.  Dass  aber  die  Erwähnung
der  Autorschaft  Gregor’s  in  Einer  Handschrift  fehlte,  würde
jedenfalls  nicht  auffallender  sein,  als  es  wäre,  wenn  eine  von
Gregor  I.  veranstaltete  Sammlung  spurlos  verschwunden  sein
sollte.  Wenn  wir  annähmen,  die  Notiz  über  die  Autorschaft  hätte
am  Ende  gestanden,  so  würde  vorliegend  das  Fehlen  von  selbst
erklärt  sein.  Auffallend  ist  es  allerdings,  dass  wir  von  dieser
wichtigen  Sammlung  kein  Exemplar  besitzen,  welches  älter
ist  als  das  zehnte  oder  elfte  Jahrhundert.  Das  Auffallende
dieser  Erscheinung  wird  aber  durch  die  Annahme  der  Autorschaft ­
  Gregor’s  nicht  gesteigert.  Dass  die  Sammlung  im  neunten
Jahrhundert  in  Rom  war,  erhellt  aus  ihrer  oben  nachgewiesenen
Benutzung  durch  den  Bibliothccar  Anastasius.
Die  Autorschaft  Gregor’s  hat  aus  innern  Gründen  nichts
Unwahrscheinliches.  Dieser  Papst,  der  erste,  von  dem  wir  mit
Bestimmtheit  wissen,  dass  er  eine  vollständige  Sammlung
seiner  eignen  Schreiben  veranstaltet  hat,  war  gewiss  im
Stande  das  Interesse  zu  begreifen,  welches  es  hatte,  dass  eine

1  Damit  würde  auch  die  zu  Anfang  sich  findende  Notiz  stimmen,  dass  die
Sammlung  243  Stücke  enthalte.  S.  o.  S.  249  N.  1.
            
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