Ueber eine Sara in 1. Oregor’s I. von Schreiben n. Verordn, der Kaiser n. Päpste. 253
Sammlung wirklich von Gregor I. stammt, so ist sie auch
geeignet den Beweis zu liefern, dass dieser Papst den Enunciationen
der weltlichen Gewalt für das kirchliche Gebiet Bedeutung
beigelegt habe. Und weiter nichts als diesen Satz
wollte Petrus Crassus beweisen. Woher hatte aber dieser die
Kenntniss der Autorschaft Gregor’s für die von ihm besessene
Sammlung? Offenbar ist er seiner Sache sicher. Eine absichtliche
Täuschung ist nicht zu präsumiren. Wir dürfen daher
annehmen, dass die Autorschaft Gregor’s auf eine für einen
Bücherkenner, wie es Petrus war, unzweifelhafte Weise erhellte.
Nun findet sich allerdings der Name des Autors in den
uns überlieferten Exemplaren der avellanischen Sammlung
nicht. Wir besitzen deren acht. 1 Das älteste, cod. Vatic. 4961,
gehört nach Thiel’s Angabe 2 dem zehnten oder dem Anfang
des elften Jahrhunderts an. Auf der letzten Seite steht: Iste
Über est. monasterii S. Crucis fontis Avellane Eugubine dioecesis.
Hunc librum acquisivit domn. Damianus S. f. 3 Der h. Petrus
Damianus gehörte dem genannten Kloster an, bis er im Jahr
1058 Cardinal wurde. Der Codex scheint später in den Besitz
des Cardinais Marcel Cervin gelangt zu sein, der am 9. April
1555 unter dem Namen Marcellus II. Papst wurde. Auf der
zweiten Seite findet sich nämlich nach der Angabe der Ballerini
eine Note, zu der wieder Folgendes bemerkt ist: lila verba
fuerunt addita a Marcello II., cum esset adliuc presbyter cardinalis
Romanus. Zur Zeit des Baronius gehörte diese Handschrift
dem Cardinal Sirleti, von dem sie durch Kauf in die
vaticanische Sammlung gelangte. Ausser diesem ältesten besitzt
die Vaticana noch drei Exemplare. 4 Cod. 3787 ist nach
Cacciari 5 im zwölften, nach Thielim elften oder im zwölften
Jahrhundert .geschrieben. Ueber cod. 3786 und 4903 liegen
keine weiteren Altersangaben vor, als dass sie die jüngeren
1 S. auch meine Gesch. d. Quellen I. §. 814 und meine Bibi. Latina juris
can. ms., wo die Handschriften der Avellana an den betreffenden Stellen
Vorkommen.
2 Epistolae Romanorum pontificum I. p. XXV.
3 Ballerinii De antiqu. coli. can. P. II. c. 12 n. 3.
4 S. über die im Text erwähnten Thatsaclien die Ballerini a. a. O.
5 S. Leon. M. Opera T. II. p. LXVI.
6 Epistolae Rom. pont. I. p. XXVI.