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lischen angesehen, das sühnende Geschichtsdrama allein das
vollkommen harmonische. Soll die höchstmögliche Beruhigung
erreicht und doch der höchstmögliche Effect nicht eingebiisst
werden, so muss wie in der antiken Tragödie der Schein des
Fatalistischen, wie in der christlichen Tragödie der Schein des
Satanischen, so in der modernen Tragödie der Schein blosser
Verständigkeit des Glückswechsels gerettet und doch wie
in jenen so in dieser der Schein der Gerechtigkeit der eingetretenen
Vergeltung zur moralischen Ueberzeugung erhoben
werden. Das geschichtliche Aussöhnungsdrama geht durch seine
Versöhnung mit dem sühnenden Geschichtsdrama in die vollkommenste
Form des Profandramas, in das moderne Versöhnungsdrama
über.
Im ersten scheint nur Nothwendigkeit zu herrschen; im
zweiten sind Freiheit und Nothwendigkeit. eins; im dritten löst
die scheinbar anfänglich herrschende Nothwendigkeit am Schlüsse
sich in Freiheit auf. Verstand und Gewissen, Oausal- und moralisches
Gesetz sind im geschichtlichen Drama entzweit, im
Geschichtsdrama eins; im modernen Versöhnungsdrama löst
die anfängliche Dissonanz zwischen Kopf und Herz zuletzt sich
in wohlthuenden Einklang auf. Der unvermeidliche. Glückswechsel
vom Bessern zum (wirklichen oder bloss eingebildeten)
Schlimmem erscheint in der modernen Tragödie und Komödie,
jener vom Schlimmem zum (wahren oder vermeintlichen) Bessern
im modernen ernsten und possenhaften Schauspiel, nicht
nur in den Augen des Zuschauers, sondern auch in jenen des
Helden, nicht nur als durch diesen selbst (ohne ,auswärtige'
Mächte) verursacht, sondern auch als gerecht; der dramatische
Causalverlauf erscheint zugleich als der ethische;
Natur- und Sittengesetz, sinnliche und sittliche Weltordnung
decken einander im Drama.
Das vollkommenste moderne Drama ist jenes, wo die
Identität der natürlichen und ethischen Causalordnung am
augenscheinlichsten, die gerechte Vergeltung zugleich als Selbstvergeltung,
der dramatische Held als Thäter, Zuschauer, Richter
und Vergelter in einer Person erscheint. Der Schauplatz
des Gerichtes ist hier das eigene reuevolle oder mit sich zufriedene
Innere, der dramatische Vorgang aus der äusseren