Glaube und Geschichte im Lichte des Dramas.
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Beleuchtung. Die Siegesgewissheit der Einen wie der Andern
steht dem vollkommensten Trauerspiel wie das vollkommenste
Schauspiel des erkennenden Subjects gegenüber. Das nur eingebildete
Nichtwissen wie das nur eingebildete Wissen aber
verhalten sich zu jenen wie Lustspiel und Posse des wissensdurstigen
Subjects. Jenes löst den Verdruss des Zuschauers
nach , aufgegangenem Knopf' in herzliches Lachen über seine
bisherige Kurzsichtigkeit auf; diese schliesst mit der skeptischen
Einsicht, dass alles Wissen nichtig und das Bemühen,
in dem sinn- und zusammenhanglosen Sein einen Zusammenhang
zu finden, thöricht sei, in humoristischer Resignation.
Mit der Einsicht des Zuschauers in den nothwendigen Causalzusammenhang
zwischen der That und dem Loose des Helden,
ist jene des Helden selbst in denselben noch keineswegs gegeben.
Vielmehr kann der Zuschauer dem Dichter längst beigestimmt,
die unabänderliche Nothwendigkeit, dass auf die
Thaten Lears, Macbeths, Richards III., Karl Moors, Wallensteins
u. A. deren Sturz und Ende folgen muss, längst anerkannt
haben, während dem Helden selbst diese bis zum Eintritt verborgen
bleibt, ja Manche, wie z. B. Wallenstein, vom tragischen
Ausgang überrascht, zu derselben gar nicht gelangen.
In diesem Falle ist die Selbstverstrickung des Helden zwar
an sich (objectiv), aber nicht für ihn selbst (subjectiv) vorhanden;
der Zuschauer zwar, aber nicht der Held mit dessen
Loos versöhnt. Letzterer klagt noch das unfreundliche Schicksal
an, während der Zuschauer schon weiss, dass nichts anderes
geschehen konnte. In den Augen des letzteren, durch
den Dichter eingeweiht in das Geheimniss des Schicksalsganges,
ist der Held nur ein Kurzsichtiger, den er mit Mitleid
belächelt. Das Trauerspiel des sich selbst ohne Wissen und
wider Willen im eigenen Netz fangenden Helden ist in den
Augen des Zuschauers eine Komotragödie.
Wieder ist, wie die ewige Verdammniss das vollkommenste
Trauerspiel, so die mit dem vorzeitigen Tode abgeschnittene
Möglichkeit, bei sich selbst über die Nothwendigkeit
seines Geschickes zur Klarheit zu gelangen, die vollkommenste
Komotragödie. Der speculative Philosoph, der im Glauben
an sein System stirbt, erscheint dem kritischen Denker in