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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

Glaube  und  Geschichte  im  Lichte  des  Dramas.

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Beleuchtung.  Die  Siegesgewissheit  der  Einen  wie  der  Andern
steht  dem  vollkommensten  Trauerspiel  wie  das  vollkommenste
Schauspiel  des  erkennenden  Subjects  gegenüber.  Das  nur  eingebildete ­
  Nichtwissen  wie  das  nur  eingebildete  Wissen  aber
verhalten  sich  zu  jenen  wie  Lustspiel  und  Posse  des  wissensdurstigen ­
  Subjects.  Jenes  löst  den  Verdruss  des  Zuschauers
nach  ,  aufgegangenem  Knopf'  in  herzliches  Lachen  über  seine
bisherige  Kurzsichtigkeit  auf;  diese  schliesst  mit  der  skeptischen ­
  Einsicht,  dass  alles  Wissen  nichtig  und  das  Bemühen,
in  dem  sinn-  und  zusammenhanglosen  Sein  einen  Zusammenhang ­
  zu  finden,  thöricht  sei,  in  humoristischer  Resignation.
Mit  der  Einsicht  des  Zuschauers  in  den  nothwendigen  Causalzusammenhang
  zwischen  der  That  und  dem  Loose  des  Helden,
ist  jene  des  Helden  selbst  in  denselben  noch  keineswegs  gegeben. ­
  Vielmehr  kann  der  Zuschauer  dem  Dichter  längst  beigestimmt, ­
  die  unabänderliche  Nothwendigkeit,  dass  auf  die
Thaten  Lears,  Macbeths,  Richards  III.,  Karl  Moors,  Wallensteins ­
  u.  A.  deren  Sturz  und  Ende  folgen  muss,  längst  anerkannt
haben,  während  dem  Helden  selbst  diese  bis  zum  Eintritt  verborgen ­
  bleibt,  ja  Manche,  wie  z.  B.  Wallenstein,  vom  tragischen ­
  Ausgang  überrascht,  zu  derselben  gar  nicht  gelangen.
In  diesem  Falle  ist  die  Selbstverstrickung  des  Helden  zwar
an  sich  (objectiv),  aber  nicht  für  ihn  selbst  (subjectiv)  vorhanden; ­
  der  Zuschauer  zwar,  aber  nicht  der  Held  mit  dessen
Loos  versöhnt.  Letzterer  klagt  noch  das  unfreundliche  Schicksal ­
  an,  während  der  Zuschauer  schon  weiss,  dass  nichts  anderes ­
  geschehen  konnte.  In  den  Augen  des  letzteren,  durch
den  Dichter  eingeweiht  in  das  Geheimniss  des  Schicksalsganges, ­
  ist  der  Held  nur  ein  Kurzsichtiger,  den  er  mit  Mitleid
belächelt.  Das  Trauerspiel  des  sich  selbst  ohne  Wissen  und
wider  Willen  im  eigenen  Netz  fangenden  Helden  ist  in  den
Augen  des  Zuschauers  eine  Komotragödie.
Wieder  ist,  wie  die  ewige  Verdammniss  das  vollkommenste ­
  Trauerspiel,  so  die  mit  dem  vorzeitigen  Tode  abgeschnittene ­
  Möglichkeit,  bei  sich  selbst  über  die  Nothwendigkeit
seines  Geschickes  zur  Klarheit  zu  gelangen,  die  vollkommenste
Komotragödie.  Der  speculative  Philosoph,  der  im  Glauben
an  sein  System  stirbt,  erscheint  dem  kritischen  Denker  in
            
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