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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

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Zimmermann.

(den  dramatischen  Knoten)  zu  entwirren,  zum  Zweifel  an
seiner  (des  Zuschauers  oder  des  Helden)  eigenen  Erkenntnissfähigkeit.
  Das  religiöse  Drama  sucht  Hilfe  von  Aussen,  das
geschichtliche  von  Innen;  jenes  sucht  Erleuchtung  von  Gott,
dieses  vom  eigenen  Geist.
Wie  das  Religionsdrama  geistlichen,  so  hat  das  Geschichtsdrama ­
  weltlichen,  jenes  der  Gottesweisheit  (Theologie),  dieses
der  Welt  Weisheit  (Philosophie)  verwandten  Charakter.  Der
Dichter  gibt  dem  Beschauer  in  der  geschickt  verhüllten  Schürzung ­
  der  dramatischen  Verwicklung  eine  Nuss  zu  knacken,
für  die  möglicherweise  dieser  seine  Zähne  zu  schwach  findet.
Die  unausbleibliche  Unlust,  die  er  darüber  fühlen  muss,  ist
ein  wirkliches  Unglück,  das  der  schelmische  Dichter  über
den  Zuhörer  heraufbeschwört.  Der  melancholische  Zweifel  desselben ­
  am  eigenen  Verstände  wird  zur  völligen  Verzweiflung,
wenn  das  Räthsel  unauflöslich,  die  Erkenntniss  für  ewigunmöglich
  scheint;  das  Trauerspiel  des  verstandesschwachen
steigert  sich  zur  Tragödie  des  erkenntnissunfähigen  Subjects.
Faust,  der  sich  fruchtlos  an  Philosophie,  Juristerei  und  Medicin
  und  ,leider'  auch  Theologie  abgemüht  hat,  ist  nur  das
sichtbare  Bild  des  sich  am  Problem  des  nicht  zu  entwirrenden
dramatischen  Knotens  vergebens  zermarternden  Zuschauers.
Aber  was  der  Zuschauer  nicht  weiss  und  nicht  wissen  zu
können  glaubt,  der  Dichter  selbst  weiss  es  doch,  der  ,wie  ein
Gott'  über  den  Schicksalen  seiner  Geschöpfe  schwebt,  und  den
in  fruchtlosem  Ringen  sich  krümmenden  Wurm  mit  mitleidigem ­
  Lächeln  betrachtet.  Von  seinem  Standpunkte  aus  angesehen, ­
  ist  die  Tragik  des  Zuschauers,  der  an  seinem  eigenen
Verstände  irre  wird,  nur  ein  komisches  Schauspiel,  das  Trauerspiel ­
  des  an  seiner  Erkenntnissfähigkeit  zweifelnden  und  verzweifelnden ­
  Subjects  eine  Tragikomödie.
Wie  das  ewige  Unglück  der  Hölle  das  vollkommenste
Trauerspiel,  so  gibt  das  Bewusstsein  ewiger  Schranken  der
Erkenntniss  die  vollkommenste  Tragikomödie  ab.  Der  Kriticismus
  Kants  mag  den  wissenstrunkenen  Adepten  der  absoluten
Methode  in  diesem  bedauerlichen  Lichte  erschienen  sein.  Die
vorsichtige  Metaphysik  der  realistischen  Schule  erscheint  den
Infallibilisten  der  inductiven  Methode  schwerlich  in  besserer
            
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