Glaube und Geschichte im Lichte des Dramas.
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Wenn die unausbleiblichen Wirkungen der geschichtlichen
That dabei nicht immer auf den geschichtlichen Thäter zurückfallen,
sondern oft von den späteren Nachkommen getragen
werden müssen, so liegt darin der Grund, warum trotz des
berühmten Dictums Schillers, der weit mehr Dramatiker als
Geschichtschreiber war, die Weltgeschichte nicht immer als
Weltgericht erscheint. Darum bemerkte schon Aristoteles, dass
die (dramatische) Poesie philosophischer als die Geschichte
sei. Im Lauf der wirklichen Dinge bleibt die Wirkung nie,
jedoch sehr oft die Vergeltung der Wohl- oder Missethat am
Thäter aus; die sichtbare Wirkung der That des Helden im
Drama, der Glückswechsel, ist auch deren sichtbare Vergeltung.
In der Geschichte verbirgt, im Gedicht vollzieht sich
das Gericht.
Aus diesem Grunde, aber aus diesem allein darf das
profane Verstrickungsdrama geschichtlich (Geschichtsdrama)
heissen. Es arbeitet dem Geschichtsglauben, dass sich im
Lauf der wirklichen Dinge mittels des Mechanismus der Ursachen
und Wirkungen eine sittliche Ordnung durchsetze, vor, und
macht den Zuschauer wirklichen Menschenschicksals geneigt,
dasselbe im Licht eines lebendigen Dramas anzusehen.
Der Reiz des historischen Dramas liegt in dem Räthsel
seiner Verkettung. Weil es von vorneherein feststeht, dass die
ganze Ursache des Glückswechsels in der That des Helden enthalten
sei, so besteht das vom Zuschauer und Helden (insofern
dieser sein eigener Zuschauer ist) zu lösende Problem in
der durchdringenden Erkenntniss des causalen (nicht des
ethischen) Zusammenhanges. Wird sie beiden zu leicht gemacht,
so fehlt der Sporn; wird sie beiden zu schwer gemacht, so
erlahmt die Kraft. Die rechte Mitte zu treffen, welche zugleich
anspornt und befriedigt, ist die Kunst des Dramatikers.
Das religiöse Drama setzt das Gewissen in Spannung,
das geschichtliche den Verstand. Jenes geht von der Basis
aus, dass es nur mit gerechten, dieser davon, dass es nur mit
recht en Dingen zugehen könne in der Welt. Jenes wird
durch die sichtbare Ungerechtigkeit des Glückswechsels auf
die Annahme überweltlicher Mächte geführt; dieses durch die
Unmöglichkeit, den causalen Verlauf der sichtbaren Ereignisse