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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

Glaube  und  Geschickte  im  Lichte  des  Dramas.

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aus  der  Annahme  des  absoluten  Werdens  entspringt.  Begreifen
heisst  eben  Folgen  auf  Gründe,  Wirkungen  auf  Ursachen
zurückführen;  das  absolute  Werden  ist  aber  ein  Anders  werden,
das  zwar  eine  Zeitfolge  aber  keine  Causalfolge  enthält.  Glück
folgt  hier  auf  Unglück,  Unglück  auf  Glück;  aber  nicht  Glück
aus  Unglück,  Unglück  aus  Glück.  Die  Kunstform  des  absoluten ­
  Werdens  ist  die  epische;  ein  Drama  desselben  könnte
nur  eine  Satire  auf  das  Drama  sein.  Wollte  es  ein  solches
scheinen,  so  müsste  es  trachten,  vor  allem  kein  Werden,  sondern ­
  ein  Hervorgebrachtwerden  zu  scheinen.  Da  nun  ein
solches  nur  durch  Ursachen,  im  Drama  besonders  nur  durch
handelnde  Personen  möglich  ist,  so  müsste  ein  solches  sich
für  ein  wirkliches  Drama  ausgebendes  Scheindrama  vor  allem
den  Schein  solcher  erzeugen,  um  durch  diese  den  Schein
möglich  zu  machen,  als  folge  das  Spätere  nicht  bloss  auf
das  Vergangene,  sondern  aus  diesem.  Für  ein  dergleichen
episches,  eigentlich  ,Afterdrama',  wären  sonach  die  als  handelnd
dargestellten  Personen  eine  blosse  Maschinerie,  welche  den
wirklichen  Sachverhalt,  dass  nichts  zu  begreifen  ist,  verschleiern
und  den  Schein  erregen  sollen,  als  sei  alles  begreiflich.  Der
unbegreifliche  Wechsel,  welchen  das  religiöse  Drama  durch
die  Annahme  ,auswärtiger'  (sittlicher)  Mächte,  vergeltender
Gottheiten  zu  erklären  sucht,  soll  hier  durch  die  Fiction  ,nichtauswärtiger', ­
  sondern  überhaupt  ,handelnder'  Persönlichkeiten
dem  Anschein  nach  erklärt  werden,  während  er  selbst  unbegreiflich ­
  bleibt.  Innere  und  äussere  Ursachen,  irdische  und
überirdische  Personen,  profanes  und  religiöses  Drama  sind  hier
gleichmässig  Fiction,  das  einzige  wirklich  Gegebene  ist  der
grund-  und  anfangslose  Fluss.
Unwillkürliche  ,Satiren'  auf  das  Drama,  wie  sie  dramatischem ­
  Ungeschick  in  lebloser  Aneinanderreihung  nur  episch,
durch  die  Einheit  der  Person  oder  Zeit,  nicht  dramatisch  durch
die  causale  Einheit  der  fortlaufenden  Handlung  verknüpfter
Scenen  wider  Willen  entschlüpfen,  beiseitegesetzt,  bieten  die
sogenannten  ,Historien',  traurige  und  lustige,  Beispiele  der
Gattung  dar.  Da  der  dramatische  Beiz  der  causalen  Entwicklung ­
  ihnen  abgeht,  müssen  sie  ihn  durch  den  epischen  der
Ueberraschung  und  Neuheit  des  Wechsels  (die  Abwechslung)
zu  ersetzen  trachten.  Der  unerhörte,  frappante  Umschwung  der
            
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