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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

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Z  immermann.

Zwei  Classen  von  Wesen  lassen  sieh  bei  den  ,aushelfenden' ­
  Mächten  unterscheiden:  solche,  welche  von  ethischen
(sittlichen  oder  unsittlichen)  Motiven  bewegt,  oder  nur  von
Willkür  geleitet  sind.  Letztere  mögen  dämonische,  erstere  gute
und  böse  Geister  heissen.  Jene  bestimmen  den  Glückswechsel
nach  Laune,  diese  nach  sittlichem  Verdienst;  aber  so,  dass
die  guten  das  dem  sittlichen  Werthe  entsprechende,  die  bösen
das  demselben  entgegengesetzte  Loos  über  den  Sterblichen  verhängen. ­
  Die  launische  Glücksgöttin,  der  neckende  Kobold  spielen
mit  dem  Schicksal  Fortunats  oder  Unsterns;  der  gerechte  Gott
straft  den  Verbrecher  und  belohnt  den  Tugendhaften;  der  ungerechte ­
  neidvolle  Gott  schmiedet  den  wohlthätigen  Lichtbringer
an  den  Felsen  des  Kaukasus  und  hilft  als  ,Fürst  dieser  Welt'
seinen  Knechten  zu  Macht  und  weltlicher  Ehre.  Jenes  lässt
sich  als  fatalistisches,  letztere  zwei  lassen  sich  als  moralisches ­
  (Sühnungs-)  und  satanisches  Drama  bezeichnen.
Jener  Gattung  gehört  das  Trauerspiel  schuldlosen  Elends,  wie
das  Lustspiel  des  Zufalls,  das  Schauspiel  grundloser  Gunst  wie
die  Posse  des  Glückstopfs  an.  Was  kann  vom  moralischen
Gesichtspunkt  aus  betrachtet  empörender,  vom  offecthaschenden
aus  angesehen  wirkungsvoller  sein,  als  das  Trauerspiel  grundloser ­
  Verdammung,  das  jeden  (Schuldigen  wie  Unschuldigen)
bangen,  und  das  Schauspiel  ebenso  grundloser  Begnadigung,
das  jeden  (Unschuldigen  wie  Schuldigen)  hoffen  macht?  Die
Iphigenie  des  Euripides,  die  dem  Zorn  der  Artemis  geopfert
wird,  weil  ihr  Vater  sich  gerühmt  hat,  besser  mit  dem  Bogen
zu  schiessen,  als  diese,  und  der  Mönch  Theophilus,  dem  die
Jungfrau  seinen  besiegelten  Pakt  mit  dem  Teufel  wiedergibt,
weil  er  ein  Ave-Maria  gebetet  hat,  stehen  hart  an  dieser
Grenze.
Aber  auch  wo  der  reine  Zufall  Unschuldige  wie  Schuldige ­
  ohne  Unterschied,  wenn  auch  nur  mit  eingebildetem  Unglück ­
  plagt,  oder  das  blinde  Glück  Verdienstlose  wie  Verdienstvolle ­
  ohne  solchen,  wenn  auch  nur  mit  weltlichem  Glück
überhäuft,  fühlen  wir  uns  angewidert  von  moralischer,  wenngleich ­
  von  Schadenfreude  und  Neid  pikant  gekitzelt  von  gemüthlicher
  Seite.  Das  fatalistische  Drama  hat  vor  dem  moralischen ­
  den  weiteren  Umfang  des  betheiligten  Publieums  voraus;
denn  da  es  gegen  Schuld  und  Unschuld  sich  gleichgiltig  ve r "
            
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