Glaube und Geschichte im Lichte des Dramas.
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begreifliche sein; wenn sie nur das im Drama allein unerlaubte
Unbegreifliche, das Wunder des Glückswechsels, begreiflich
machen. Dieses Wunder zu beseitigen sind selbst Wunder gut;
immerhin mögen theologische oder metaphysische Räthsel die
Stolle des gelösten dramatischen einnehmen. Das religiöse
Drama schliesst weder dämonische noch gute und böse Mächte
aus, wenn sie nur so beschaffen sind, dass der sichtbare
Glückswechsel durch ihre Annahme begreiflich wird. Dass
dieselben nicht anders als persönlich eingeführt werden dürfen,
versteht sich nach dem über die Auflösung der Handlung in
Handelnde Gesagten, dass sie als Mithandelnde wo möglich
sichtbar vorgeführt werden sollen, ergibt sich aus der Natur
des für die Anschauung bestimmten Dramas von selbst. Wo
es das räthselhafte Dunkel des Steigens und Sinkens der
Glücksscala durch die Herbeizielmng höherer freundlicher und
feindlicher, hilfreicher und boshafter Mächte zu lichten gilt,
ist der gestaltenschaffcnden Phantasie des religiös-dramatischen
Dichters ein grenzenloser Spielraum eröffnet. Olymp und Tartarus,
das Reich des Ahura-Mazdao und Ahrimans, Himmel
und Hölle des Christenthums stellen ihre Götter- und Geisterbevölkerung
zur Verfügung des Dichters; die Gräber geben
ihre Todten zurück und die leblose Natur verwandelt sich in
eine Nymphen-, Elfen-, Nixen- und Zwergenwelt.
Auf den Dichter kommt es an, ob er die ,dunkeln'
Mächte erfinden, oder von den in den religiösen Glaubenskreisen
der Völker enthaltenen wählen will. Es bedarf keines
Scharfsinns, um einzusehen, dass er unter gleichen Umständen
mit der Mythologie jenes religiösen Bekenntnisses, dem seine
voraussichtlichen Beschauer angehören, sich begnügen wird.
Eine Vermengung antiker und christlicher Geisterwelt, wie
Goethe’s Faust, persischer und christlicher Hölle, wie Byrons
Manfred zeigt, lassen sich ästhetisch nicht gutheissen. Sollen
,auswärtige' Mächte ,Erdenbändel' schlichten, so empfehlen sich
solche, die dem Beschauer geläufig sind. Der religiöse Glaube
an Götter und Geister, an Engel und Teufel, an Gott und
Satan kommt dem religiösen Dramatiker entgegen; die Schwierigkeit
eines Dramas, das unserer heutigen Naturauffassung
entspricht, ruht meist auf dem Mangel einer modernen Mythologie.