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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

Glaube  und  Geschichte  im  Lichte  des  Dramas.

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eines  solchen  willen  Ursache  zu  bemitleiden:  wohl  aber  kann
uns  die  Thorheit,  die  in  solcher  Einbildung  liegt,  recht  herzlich ­
  lachen  machen.  Des  Aristoteles  berühmte  Erklärung  des
Lächerlichen  als  des  unschädlichen  Ungereimten  passt  hier
ganz  augenscheinlich.  Dennoch  befindet  sich  der  an  eingebildetem
Unglück  Krankende  in  Bezug  auf  seinen  Gemütszustand  entschieden ­
  schlimmer,  als  vor  dieser  Einbildung.  Das  eingebildete ­
  Unglück  ist  für  ihn  wirklich  ein  Unglück  und  wir,  die
von  jener  Einbildung  frei  sind,  haben  gut  lachen.  Es  liegt
selbst  in  dieser'kleinstmöglichen  Quantität  von  Unglück  Etwas,
was  einem  zartfühlenden  Menschen  die  Lustigkeit  vertreiben
wird.  Wenn  wir  das  eingebildete  Unglück  auch  weder  fürchten ­
  noch  mitfühlen  können,  die  Einbildung  muss  uns  sowohl
Furcht  als  Mitleid  einflössen.
Ein  Hauch  der  Wehmuth  über  die  Schwäche  der  menschlichen ­
  Natur,  die  so  vielen  wirklichen  Uebeln  ausgesetzt,  sich
auch  noch  mit  eingebildeten  plagt,  geht  von  jedem  Lustspiel
aus  und  verräth  seine  mit  dem  Trauerspiel  gemeinsame  Abkunft
vom  Drama  mit  unglücklichem  Ausgang.  Wie  aber  das  eingebildete ­
  Unglück  das  kleinste,  so  ist  das  ewige  Unglück  das
grösstmögliche  Quantum  desselben,  und  Faust  und  Don  Juan,
die  auf  immer  in  die  Hölle  gestürzt  werden,  stellen  das  vollkommenste ­
  Trauerspiel  des  Glückswechsels  dar.  Furcht  und
Mitleid,  soweit  sie  nur  durch  das  Quantum  des  Unglücks  bestimmt ­
  werden,  sind  hier  natürlicherweise  am  stärksten,  und
daher  sind  diese  Stoffe  ins  Volksdrama  übergegangen,  das
starke  Effecte  liebt.  Was  beide  Gefühle  hoch  aufschwellen
macht,  ist  die  durch  die  Ewigkeit  des  Unglücks  ausgeschlossene
Aussicht  auf  Beseitigung  oder  auch  nur  Abnahme  desselben,
also  die  vollständige  Hoffnungslosigkeit  nicht  nur  für  den
Helden,  sondern  auch  für  uns  selbst  in  gleichem  Fall.  Zwischen
diesen  beiden  Extremen  schwanken  die  Grade  von  Furcht  und
Mitleid  mit  Ab-  und  Zunahme  des  Unglücksquantums  auf  und
ab,  indem  mit  jeder  Beschränkung  desselben  auf  Mass  und
Zeit  nicht  nur  der  (schlechte)  Trost,  dass  Andere  noch  unglücklicher ­
  seien,  sondern  auch  die  Hoffnung  auf  Wechsel  zum
Bessern  nach  dieser  Zeitfrist  sich  einfindet.
Das  Gegenstück  zum  Drama  mit  unglücklichem  Ausgang
bildet  sonach  nicht  das  Lustspiel,  sondern  das  Drama  mit
            
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