Glaube und Geschichte im Lichte des Dramas.
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eines solchen willen Ursache zu bemitleiden: wohl aber kann
uns die Thorheit, die in solcher Einbildung liegt, recht herzlich
lachen machen. Des Aristoteles berühmte Erklärung des
Lächerlichen als des unschädlichen Ungereimten passt hier
ganz augenscheinlich. Dennoch befindet sich der an eingebildetem
Unglück Krankende in Bezug auf seinen Gemütszustand entschieden
schlimmer, als vor dieser Einbildung. Das eingebildete
Unglück ist für ihn wirklich ein Unglück und wir, die
von jener Einbildung frei sind, haben gut lachen. Es liegt
selbst in dieser'kleinstmöglichen Quantität von Unglück Etwas,
was einem zartfühlenden Menschen die Lustigkeit vertreiben
wird. Wenn wir das eingebildete Unglück auch weder fürchten
noch mitfühlen können, die Einbildung muss uns sowohl
Furcht als Mitleid einflössen.
Ein Hauch der Wehmuth über die Schwäche der menschlichen
Natur, die so vielen wirklichen Uebeln ausgesetzt, sich
auch noch mit eingebildeten plagt, geht von jedem Lustspiel
aus und verräth seine mit dem Trauerspiel gemeinsame Abkunft
vom Drama mit unglücklichem Ausgang. Wie aber das eingebildete
Unglück das kleinste, so ist das ewige Unglück das
grösstmögliche Quantum desselben, und Faust und Don Juan,
die auf immer in die Hölle gestürzt werden, stellen das vollkommenste
Trauerspiel des Glückswechsels dar. Furcht und
Mitleid, soweit sie nur durch das Quantum des Unglücks bestimmt
werden, sind hier natürlicherweise am stärksten, und
daher sind diese Stoffe ins Volksdrama übergegangen, das
starke Effecte liebt. Was beide Gefühle hoch aufschwellen
macht, ist die durch die Ewigkeit des Unglücks ausgeschlossene
Aussicht auf Beseitigung oder auch nur Abnahme desselben,
also die vollständige Hoffnungslosigkeit nicht nur für den
Helden, sondern auch für uns selbst in gleichem Fall. Zwischen
diesen beiden Extremen schwanken die Grade von Furcht und
Mitleid mit Ab- und Zunahme des Unglücksquantums auf und
ab, indem mit jeder Beschränkung desselben auf Mass und
Zeit nicht nur der (schlechte) Trost, dass Andere noch unglücklicher
seien, sondern auch die Hoffnung auf Wechsel zum
Bessern nach dieser Zeitfrist sich einfindet.
Das Gegenstück zum Drama mit unglücklichem Ausgang
bildet sonach nicht das Lustspiel, sondern das Drama mit