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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 85. Band, (Jahrgang 1877)

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Zimmerra  ann.

kung  einer  in  ihrer  Originalität  unberechenbaren  künstlerischen
Persönlichkeit  und  der  gleichfalls  nicht  zu  berechnenden  Umstimmung ­
  des  Geschmacks  und  der  Empfänglichkeit  des
Publicums  zu  erfahren  vermag,  vorher  wissen  zu  wollen.  Wir
erleben  es  fortwährend,  dass  Kunstgattungen  in  der  Gunst  des
Zeitalters  aussterben,  wie  Thier-  und  Pflanzengeschlechter  in
historischen  Zeiten  ausgestorben  sind  und  wir  können  nicht
sagen,  welche  neue  Varietäten  in  der  Zukunft  aufleben  und
den  Beifall  der  Mitlebenden  erlangen  werden.
Dennoch  ist  es  nicht  wahrscheinlich,  dass,  wenigstens
vor  Ablauf  einer  unsere  Einbildungskraft  überfliegenden  Zeit,
die  Physiognomie  der  bisher  entstandenen  Hauptgattungen  der
Natur  wie  der  Kunst  eine  Umgestaltung  erleiden  wird.  Wie
der  systematischen  Starrheit  der  Natur-  und  Kunstgattungen
gegenüber  es  wohlthätig  war,  ihres  genetischen  Flusses,  so  wird
es  vielleicht  dem  alle  Unterschiede  verwischenden  Chaos  gegenüber, ­
  zu  welchem  die  gewonnene  Erkenntniss  der  Einheit  ihres
Ursprungs  zu  führen  droht,  an  der  Zeit  gefunden  werden,  der
voraussichtlichen  Stabilität  gewisser  nun  einmal  fixirter  Hauptund
  Grundabsonderungen  sich  zu  erinnern.  So  wenig  die
heutigen  Naturforscher  über  die  Grenzen  der  einzelnen  Thierund
  Pflanzenarten,  ja  selbst  über  jene  des  Pflanzen-  und  Thierorganismus ­
  einig  sind:  an  die  Möglichkeit  des  Entstehens  neuer
Organismen,  die  weder  Thier  noch  Pflanze  wären,  glaubt  wohl
niemand  im  Ernste.  Und  welche  Umbildungen  das  vollkommenste
organische  Naturwesen,  das  wir  kennen,  der  Mensch,  noch  erfahren ­
  mag,  dass  er  je  etwas  anderes  als  ein  Mensch  werden
könne,  glaubt  wohl  ebenso  Keiner.  Ohne  Zweifel  werden  wir
bei  ihm  ebensogut  wie  bei  den  Thieren  und  Pflanzen  genöthigt
sein,  gewisse  Merkmale,  welche  in  früheren  Zeiten  als  wesentlich ­
  zu  dessen  Begriff  gehörig  angesehen  wurden,  künftig  fallen
zu  lassen;  aber  eben  so  sicher  ist,  dass  gewisse  andere  in  dem
Begriff  jener  Naturwesen  immer  werden  augetroffen  werden
müssen,  so  lange  sie  eben  nicht  aufhören  Mensch,  Thier  oder
Pflanze  zu  sein.
Mindestens  gleiche  Dauerhaftigkeit  wie  die  Äbscheidungen
  des  organischen  und  unorganischen  Naturreichs,  der  Pflanzen
und  Thiere,  dürfen  jene  der  einzelnen  Kunstreiche,  der  simultan
            
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