Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

582

Gromp  er  z.

wegs  steht  und  fällt)  nicht  unwahrscheinlich  finden;  an  sich
ist  es  vielleicht  nicht  schlechter  als  Nauck’s  «v8pa  und  besser
als  das  von  H.  Grotius  am  Versende  hinzugefügte  tiv«  oder
das  von  Düntzer  (Philol.  V,  191)  statt  dessen  vermuthete  ßpoxov.
Wenn  ich  hingegen  mit  H.  Grotius  das  metrisch  unmögliche
xoXXa?  xpotpaastv  otowatv  in  xoXXyjv  otowcn  xpöcpaatv  verwandle,  so
leitet  mich  hierbei  hauptsächlich  die  Erinnerung  an  frg.  408,  2:
xoXXyjv  oi'oüxriv  IXxto’  —,  die  wohl  Meineke  und  neuerlich
H.  Diels  entschwunden  war,  als  sie  xposdret?  durch  Xaßa?  ersetzen ­
  wollten.  Und  nicht  minder  dünkt  mir  0.  Ilense  im  Unrecht ­
  zu  sein,  wenn  er  (Krit.  Blätter,  81)  icpooätjsiq  otSwat  (youzoq)
zu  schreiben  vorschlägt  und  gegen  ,die  Interpolation  von
Grotius'  einen  kritischen  Kanon  in’s  Feld  führt,  den  er  selbst
sofort  wenn  nicht  dem  Buchstaben,  so  doch  dem  Geiste  nach
gröblich  verletzt.  Denn  seine  These:  ,Umstellungen  der  Worte
können  doch  nur  dann  probabel  sein,  wenn  damit  nicht  weitere
Aenderungen  verknüpft  sind',  kann  doch  nur  besagen  wollen,
man  solle  nicht  ohne  Noth  gewaltsame  Aenderungen  häufen.
Was  ist  aber,  so  darf  ich  wohl  Freund  Hense  fragen,  in  Wahrheit ­
  weniger  gewaltsam:  seine  Tilgung  des  völlig  sinngemässen
xoXXct?  und  dessen  Ersetzung  durch  das  im  besten  Fall  müssige
youto?,  oder  unsere  Annahme,  Theophilus  habe  sich  diesen  Vers
des  Euripides  durch  Umwandlung  der  nicht  eben  gewöhnlichen
Einzahl  in  die  Vielzahl  und  durch  Herstellung  der  natürlichen
Wortfolge  mundgerecht  gemacht,  gerade  wie  er  eine  Zeile  später
den  Vers  des  Thestios  (ein  Tragiker,  den  sich  der  gelehrte  (!)
Bischof  aus  dem  Thyestes  des  Euripides  erschaffen  hat)  um
Versmass  und  Feinheit  des  Ausdrucks  völlig  unbekümmert  zu
dem  plumpen  Machwerk  vergröbert  hat:  Osou  OIXcvtoc  c  xav
Ixt  ptxb?  xXevp;  (statt:  Osou  OIXovto;  xav  Ixt  ptxoc  xXeoic,  frg.  401  N.). 1
Nicht  H.  Grotius,  sondern  den  Bischof  von  Antiochien  trifft
mit  Grund  der  Vorwurf  der  Interpolation,  und  interpolirten
Texten  gegenüber  sind  gelinde  Heilmittel  nicht  besser  an  ihrem
Platze  als  gewaltsame  Aenderungen  gegenüber  von  naiven  Verderbnissen. ­


1  Theophil,  ad  Autolyc.  II,  87  b ;  vgl.  H.  Diels’  (Rhein.  Mus.  30,  172  ff.)  lehrreichen ­
  Aufsatz  über:  ,eine  Quelle  des  Stobäus“.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.