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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

Sweipolt  Fiol  und  seine  kyrillische  Buchdrückerei  in  Krakau.

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keit  und  Consequenz  bezüglich  der  grammatikalischen  Regeln
zu  linden  ist,  als  in  den  zerstreuten  Manuscripten,  die  von
verschiedenen  Individuen  herrühren,  ferner  auch  dadurch,  dass
uns  die  Ausgaben  derselben  Werke,  die  gleichzeitig  bei  den
Nordslaven  (in  Krakau)  und  bei  den  Südslaven  (in  Cetinje)
im  Drucke  erschienen  sind, 1  ein  reichliches  Material  zur  parallelen ­
  Entgegenstellung  in  solchem  Maasse  liefern,  dass  bei
fleissiger  Excerpirung  eine  durchaus  genügende  vergleichende
Laut-,  Formen-  und  Wortbildungslehre  zu  Tage  gefördert  werden ­
  kann.
Man  kann  wirklich  in  diesen  Büchern  die  bereits  formulirte
  Grammatik  des  Kirchenslavischen  finden  oder  eigentlich
dieselbe  als  den  Ausgangspunkt  der  sogenannten  kirchenslavischen ­
  Sprache  betrachten.  Wenn  die  altslavischen  Manuscripte
  vom  XI.  bis  XIV.  Jahrhunderte  das  erste  Glied  der
slavischen  Sprachforschung  bilden,  so  können  die  ersten  kyrillischen ­
  Druckwerke  das  mittlere  Glied  genannt  werden,  ohne
welches  die  Lösung  des  Problems  über  die  kirchenslavische
Sprache  auf  keinen  Fall  erzielt  werden  kann.
Was  den  von  Seiten  der  Viol’schen  Buchdruckerei  beigesetzten ­
  Epilog  anbelangt,  so  spiegelt  sich  in  demselben  die
zu  der  Zeit  in  Polen  und  Litthauen  übliche  Büchersprache  der
gleichzeitigen  Urkunden  und  Documente  ab;  es  ist  eine  mit
Zugrundelegung  der  localen  russischen  Volkssprache  ausgebildete ­
  conventionelle  Sprache,  welche  mit  einigen  Polonismen
untermischt  war  und  lange  Zeit  irrthümlich  die  weissrussische
oder  polnischrussische  genannt  wurde.  Wenn  hie  und  da
kirchenslavische  Sprachformen  Vorkommen,  so  wurden  sie  dem
damaligen  Geschmacke  zufolge  als  Floskeln  eines  erhabenen
Stiles  betrachtet.
Behufs  einer  Zusammenstellung  des  Sprachmaterials  führen
wir  als  Probe  einige  Auszüge  aus  dem  Krakauer  Osmoglasnik
vom  Jahre  1491,  und  daneben  entsprechende  Excerpte  aus  der
Cetinjer  Ausgabe  1493—1494,  und  aus  dem  Brasever  oder
Kronstadter  Evangelium  des  Hans  Biegner  vom  Ende  des
XV.  oder  vom  Anfänge  des  XVI.  Jahrhunderts  an.
1  Der  Oktoich,  Öasoslov  und  wahrscheinlich  auch  der  Psalter  erschienen ­
  im  Jahre  1491  bei  Viol  in  Krakau,  und  eben  diese  Werke
wurden  1493—1495  in  Cetinje  und  Venedig  gedruckt.
            
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