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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

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Gol  o  watzki  j.

behörden  vernichtet  wurde,  da  unter  den  gleichzeitigen  und
späteren  kyrillischen  Druckwerken  ähnliche  Lettern  weder
zu  Ende  des  XV.  noch  zu  Anfang  des  XVI.  Jahrhunderts
zum  Vorscheine  kommen.  Die  meiste  Ähnlichkeit,  was  die
äussere  Form  anlangt,  haben  die  Lettern  der  aus  dem
XVI.  Saeculo  herrührenden,  in  Kronstadt  oder  Ugrovlachien
gedruckten  Bücher.  Ob  diess  dem  Umstande  zuzuschreiben
ist,  dass  dieselben  Handschriften  bulgarisch-russischer  Familien
beiden  Druckereien  zum  Vorbilde  dienten,  oder  ob  irgend
welche  Wechselbeziehung  unter  den  Buchdruckern,  vielleicht  den
Jüngern  des  geächteten  Viol,  wirklich  stattfand,  diess  mögen
spätere  Nachforschungen  endgiltig  entscheiden.
Wiewohl  Swcipold  Viol  der  Nationalität  nach  ein  Deutscher
war  und  eigentlich  aus  Franken  stammte,  so  ist  es  möglich,  dass
er,  wie  Grabowski  und  Wiszniewski  nachzuweisen  suchen,  in
Lublin  geboren  oder  ansässig  war.  Hier,  in  diesem  Grenzlande ­
  von  Kleinpolen  und  Wolhynien,  konnte  er  schon  frühzeitig ­
  die  slavische  Schrift  und  Sprache  erlernt  haben,  da  die
Umgegend  seit  jeher  von  Kleinrussen  bewohnt  war  und  selbst
in  Lublin  noch  1600  ein  orthodoxes  Kloster,  zwei  griechischrussische ­
  Kirchen  und  eine  Kirchenbruderschaft  bestanden
und  die  russische  Schrift  und  Sprache  in  der  Administration ­
  der  russisch-polnischen  Provinzen  gang  und  gebe  war.
Dass  Lublin  wirklich  der  Geburtsort  des  Viol  sein  konnte
und  dass  er  in  dieser  Gegend  viele  Bekannte  oder  Genossen
hatte,  bestätigt  auch  die  Verbreitung  seiner  frühzeitig  unterdrückten ­
  Ausgaben  namentlich  in  Podlachien,  Wolhynien
und  Rothrussland  (Galizien).  Der  oftgedachte  Archimandrit
Zacharias  Kopestenskij  erwähnt  in  seinem  Werke  Palinodija
(III.  Th.  I.  Cap.  2.  Art.)  mehrere  Orte,  an  welchen  ums  Jahr
1600  (also  ungefähr  nach  einem  Jahrhunderte)  viele  Exemplare
der  Viol’schen  Druckwerke  vorfindig  waren.  ,Die  Triod’  (sagt
er)  befand  sich  in  vielen  Kirchen  und  Klöstern  des  Lemberger
Gebietes,  im  Dorohobuzischen  Kloster,  in  Horodok,  einem  Gute
des  Pecerskischen  Klosters,  in  Wolhynien  und  Podlachien,  in
dem  Bielsker  Bezirke  in  Botki  bei  der  Maria  -  Himmelfahrtskirche ­
  auf  dem  Gute  des  Bogdan  Sapieha,  Wojwoden  von  Minsk,
und  an  anderen  Orten.  Der  Oktoich  befand  sich  dazumal  in
Smiedyn  bei  Turijsk  in  Wolhynien,  in  Kamenec  Litowskij  bei
            
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