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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

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Golo  watzkij.

Aufmerksamkeit,  als  dieser  Gegenstand  der  slavisehen  Sprachforschung ­
  bis  nun  keinen  Bearbeiter  gefunden  hat.
Die  kyrillischen  Krakauer  Drucke  rühren  vom  Jahre  1491
her  (sie  sind  also  zwei  Jahre  älter  als  die  venetianischen),  und
somit  gelten  sie  zugleich  für  die  ältesten  kirchenslavischen
Druckwerke.  Simeon  Starowolski  schreibt  zwar,  dass  er  in
Russland  viele  von  Johann  von  Glogau  ins  Slavische  übersetzte
Bücher  der  heiligen  Schrift  gesehen  habe,  welche  zu  Krakau
im  Drucke  erschienen  sind,  und  zwar  bei  dem  dortigen  Bürger
Haller,  der  sein  ganzes  Vermögen  dazu  gewidmet  hatte,  um
in  verschiedenen  Sprachen  und  mit  verschiedenen  Lettern
Kenntnisse  und  Wissenschaften  unter  den  nördlichen  Völkern
zu  verbreiten,  1  und  Kasimir  Chrominski  behauptet,  derselbe
Johann  von  Glogau,  Professor  der  Krakauer  Akademie,  welcher
vor  dem  Jahre  1490  als  Erzieher  des  jungen  litthauischen
Fürsten  Gastold  fungirte,  sei  nach  Moskau  berufen  worden
behufs  der  Übersetzung  verschiedener  Werke  in  die  russische
Sprache. 2  Da  jedoch  bis  jetzt  von  diesen  vermeintlichen
Hallerischen  Drucken  und  Übersetzungen  des  Krakauer  Professors ­
  nicht  die  mindeste  Spur  entdeckt  worden  ist,  so  bin
ich  berechtigt  die  Nachricht  des  Starowolski  für  eine  Faselei
anzusehen,  wiewohl  Sopikov  der  Aussage  des  Starowolski
einigen  Glauben  schenkte  und  sogar  Michael  Wiszniewski
in  seiner  Geschichte  der  polnischen  Literatur  (III.  Bd.  55)  die
Möglichkeit  jener  slavisehen  Übersetzungen  zulässt.
Von  den  obengedachten  Krakauer  Ausgaben  kirchenslavischer
  Bücher  sind  bloss  vier  bekannt,  nämlich:  Oktoich,
Casoslov,  mit  der  Bezeichnung:  gedruckt  in  Krakau  1491,
ferner  Triod’postnaja  und  Triod’  cvjetnaja,  sine  loco  und
sine  anno,  wesswegen  die  zwei  ersteren  Werke  für  die  ältesten
mit  kyrillischen  Buchstaben  gedruckten  Bücher  angesehen
werden.
Der  Krakauer  Oktoich  ist  eine  bibliographische  Seltenheit; ­
  bis  jetzt  sind  davon  bloss  vier  Exemplare  bekannt:  zwei
1  Sim.  Starowolski,  Scriptorum  polonicorum  hekatontas,  seu  centmn  illusfcrium
  Poloniae  scriptorum  clogia  et  vitae.  Venet.  1627.  Francf.  1625.
Vratisl.  1734.
2  Kazim.  Chrominski,  Rosprawa  o  literaturze  polskiej,  mianowicie  Zygmuntowskicli.
  Dziennik  Wileiiski  1806.
            
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