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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

Possess.  Adjectiva  auf  -uj  und  -ovt>,  und  die  possess.  Pronomina  moj,  tvoj,  svoj.  411

Der  syntaktische  Gebranch  des  Dativs  im  Slavisehen
widerstreitet  nicht  unserer  Auffassung,  sondern  stimmt  mit  ihr
auffallend  überein;  kommt  ja  dem  Dativ  im  Slavischen  in  weit
höherem  Grade  als  in  irgend  einer  anderen  Arja-Sprache  gerade
die  Bedeutung  zu,  die  den  betreffenden  Adjectiven  auf  -uj  und
-ov%  zu  Grunde  liegt,  nämlich  die  possessive  in  attributiver
Geltung,  worüber  man  Mikl.  Gr.  IV,  pag.  605—609.  105  —  107.
nachsehen  kann.
Auch  das  darf  nicht  beirren,  dass  die  possess.  Adjectiva
zu  sich  ein  Attribut  im  Genitiv  nehmen:  aöech.  lträlöv  Babylofiskeho
  podkonie.  Pass.  asl.  Vu>  domu  Davidovü,  otroka  svojego.
nicol.  =  V  domu  Davidove,  detiete  svefio.  2.  W.  (Mikl.  Gr.  IV,
18  ff.)  Dies  erklärt  sich  ganz  natürlich  daraus,  dass  man,  da
schon  frühzeitig  im  Slavischen  wie  in  den  übrigen  Arja-Sprachen
die  possessive  Function  auch  dem  Genitiv  zugewiesen  wurde,
die  possess.  Adj.  auf  -uj  und  -ov r L,  nachdem  bei  ihnen  das
Bewusstsein  vom  dativischen  Ursprung  erloschen  war,  in  derselben ­
  Geltung  wie  die  immer  mehr  und  mehr  überhand  nehmenden ­
  possess.  Genitive  fühlte.
§.4.  Durch  den  Nachweis,  dass  -ujund  -oua  aus  einem  Dativ
sing,  auf-u  entstanden  ist,  wird  eigentlich  nur  die  dritte  von  den  oben
gestellten  Fragen  beantwortet;  die  erste  und  die  zweite,  auf  die
wir  das  meiste  Gewicht  legen,  bleiben  jedoch  ungelöst,  denn  auf
-u  endigt  sich  der  dat.  sing,  auch  bei  den  neutralen  o-Stämmen.
Sollen  wir  also  zu  einem  befriedigenden  Resultate  gelangen, ­
  so  wird  es  nötig  sein  den  Charakter  des  Dativs  genauer
in  Betracht  zu  ziehen.
Die  nahe  Verwandtschaft  des  Dativs  mit  dem  Locativ  in
den  Arja-Sprachen  lässt  sich  am  wenigsten  im  Slav.  und  Litauischen ­
  verkennen,  indem  beide  Casus  durch  ein  und  dasselbe ­
  Suffix  -i  gebildet  werden.  Daher  hat  die  Oekonomie  der
Sprache  schon  frühzeitig  dafür  gesorgt,  dass  beide  Formen  durch
irgend  ein  Merkmal  geschieden  werden.
Sehr  belehrend  ist  in  dieser  Hinsicht  das  Sanskrt,  wo
die  erwähnte  Scheidung  durch  am  durchgeführt  wurde;  der

(in  Prag)  jejicli  (eoi'Um,  earum),  gen.  jejichho,  dat.  jejichmu,  instr.  pl.
jejichma;  slovak.  jejin,  o,  a,  jehov,  o,  a;  über  die  übrigen  slav.  Sprachen
vergl.  Mikl.  Gr.  IV,  71.  II.  130.  150.  229.  ff.
            
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