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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 83. Band, (Jahrgang 1876)

Die  beiden  Handfesten  König  Rudolfs  I.  für  die  Stadt  Wien.

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K.  Rudolfs,  dass  er  ihnen  alle  Privilegien  nach  seiner  Kaiserkrönung ­
  unter  der  goldenen  Bulle  erneuern  werde.  In  Hinblick ­
  auf  Kaiser  Friedrich  II.  hielt  es  Rudolf  der  Würde  der
königlichen  Gewalt  angemessen,  die  Urkunden  mit  der  goldenen
Bulle  zu  versehen,  damit  sie  als  würdiges  Seitenstück  sich  an
das  Friedericianum  anreihten.  Vor  seiner  Kaiserkrönung  hielt
er  sich  dazu  für  nicht  berechtigt.  Zur  selben  Zeit  trug  er
sich  lebhaft  mit  dem  Gedanken  eines  Zuges  nach  Italien,  um
sich  zum  Kaiser  krönen  zu  lassen.  Die  Ordnung  der  Herzogthümer,
  vielleicht  ein  geheimes,  nur  zu  sehr  gerechtfertigtes
Misstrauen  gegen  Ottokar  liess  ihn  die  Ausführung  dieses  Vorsatzes ­
  von  Tag  zu  Tag  verschieben.  Die  Erklärung  der  Stadt
Wien  zur  reichsunmittelbaren  musste  für  ihn  ein  Gegenstand
der  ernstesten  Erwägung  sein.  Vielleicht  mochte  Rudolf  auch
bereits  den  Gedanken  nähren,  Oesterreich  und  die  Herzog*
thümer  dauernd  an  sein  Haus  zu  bringen  und  auch  die  Bürger
von  Wien  nach  und  nach  für  seinen  Plan  zu  gewinnen.  Daher
die  verrätherische  Auslassung  des  oben  erwähnten  Passus  über
die  Ausschliessung  der  Trennung  Wiens  vom  Reiche  für  alle
Zukunft,  daher  auch  noch  im  letzten  Augenblick  die  Schlussclausel
  der  Urkunde  b,  wodurch  er  eigentlich  die  ganze  Urkunde ­
  fraglich  und  prekär  machte.  Unterdessen  ging  die  Verschwörung ­
  Paltram’s  und  seiner  Freunde  in  Wien,  die  Heinrich
von  Kunring’s  im  Lande  ihren  stillen  Weg.  Paltram  mochte
wohl  den  Zweifel,  ob  ihre  Rechte  auch  vollkommen  formell  beglaubigt ­
  seien,  in  den  Bürgern  anfachen  und  ihn  als  Hebel  für
seine  Pläne  benützen.  Wie  dem  auch  sei,  die  Verschwörung  wurde
im  Mai  1278  entdeckt.  Der  Aufstand  misslang,  die  Verschwörer
wurden  verurtheilt  und  geächtet.  Nun  stand  der  Krieg  mit
Ottokar  vor  der  Thüre.  K.  Rudolf  musste  fühlen,  wie  gebieterisch ­
  es  sein  Interesse  und  das  des  Reiches  erheischten,
die  mächtige  Stadt  Wien,  in  der  sein  Feind  Ottokar  ohnehin ­
  einen  so  starken  Anhang  hatte,  dauernd  für  sich  zu  gewinnen. ­
  Auf  der  anderen  Seite  mochten  die  Bürger  in  Hinsicht ­
  auf  den  bevorstehenden  Krieg,  der  die  Erfüllung  der
versprochenen  Erneuerung  der  Privilegien  in  eine  unbestimmte ­
  Ferne  rückte,  dahin  drängen,  an  die  Stelle  der  erhaltenen ­
  Urkunden,  mit  denen  sie  sich  bisher  begnügt  hatten,
formell  beglaubigte  und  von  der  königlichen  Kanzlei  regel-
            
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