360
T o m a s c h e k.
die sie emaln von uns und unsern vordem gehabt liabent,
staet und unzerbrochen beliben. Do verdacht wir uns des mit
unserm rat und auch mit in selben, daz u. s. w. Am ausführlichsten
beschreibt diesen Vorgang Graf Albrecht als Verweser
über Oesterreich in der Urkunde vom 24. Juli 1281:
Darnach do unser lierre und unser vater von uns gefuer, do
sazze wir mit unserm rat, den lantherren, die unsern rat gesworn
babent vor unserm lierren dom Komischem cliunich . . .
(es werden nun ihre Namen mitgetbeilt) und wurden mit in
enein, wie wir allez lant sazten in guoten vride und in guot
gewonheit, die lant und leuten guot were. Und wurden enein
umb ein niderlege, daz deu ze Wienen in des rieh es hauptstat
in Osterrich wurde. Do besant wir der stat rat von
Wienne, daz die saezzen zu denselben lantherren, die unser
rat sind in Osterrich, und mit den enein wurden umb dieselben
niderlege, wie deu wurde nach got und nach des landes fruomen.
Der Rath der Stadt Wien legt sodann seine Rud. Urkunden
vor, aus denen die oben angeführten zwei Artikel mitgetbeilt
werden. Wand aver uns und unsern den vorgenanten rat, die
lantherren ze Osterrich und unsern rat ouz den purgern ze
Wienen der vorgenanten satz und der artikel den choufleuten
gesten ze swer doucht, so ändert er sodann diese Artikel ab.
Daraus ergibt sich, dass städtische Privilegien nicht das
Product eines einzigen Momentes waren, sondern das Resultat
reiflicher Ueberlegung und Erörterung sowohl mit den Bürgern
als den Rathgebern der Fürsten, und diejenigen Männer,
die an diesen Berathungen Theil nahmen, zugleich als
Zeugen der Urkunden angeführt wurden, wohl ohne
Rücksicht darauf, ob sie gerade im Momente der Expedition
des ,Aufsatzes' gegenwärtig waren oder nicht. Einen ähnlichen
Vorgang hat K. Rudolf gewiss auch bei diesen zwei
Stadturkunden beobachtet. Gewiss waren ihnen, wo so wichtige
Landes- und Reichsinteressen ins Spiel kamen, länger dauernde
Berathungen nicht blos mit den Bürgern sondern auch mit
den Rätlicn des Königs : den Fürsten und Grafen aus dem
Reiche, dann den österreichischen Landherren vorausgegangen,
ehe es zu einem definitiven und zu einem kanzleimässigen Abschluss
der Urkunden kam. Wien hatte bekanntlich seine
Treue gegen K. Ottokar dadurch bewährt, dass es dem herani